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am
Titel:
Die Saat
Autorin: Fran Ray
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-404-16411-0
Ein düsterer Krimi. Viele Handlungsstränge, angefangen mit grausamsten Morden (Autor-en und innen glauben offenbar, dass man sich die abartigsten Tötungsarten ausdenken muss, um Spannung zu erzeugen). Davon abgesehen rasant und sehr gut geschrieben. Es geht um Genmanipulationen eines großen Pharmakonzerns oder steckt noch mehr dahinter? Die Figuren erscheinen bedrohlich real. Man fragt sich beim Lesen, könnte es so etwas wirklich geben, oder passiert es uns gerade?
A.Meinhold
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Titel: Der ultimative Ratgeber für Alles
Autor: Dieter Nuhr
Verlag: Lübbe
ISBN: 978-3-7857-6055-0
Nuhr, aus dem Fernsehen bekannt als harmloser Scherzkeks, hat hier die Erwartungen übertroffen. Ein liebevoll gemachtes Buch über alle möglichen wichtigen, oder eher unwichtigen Themen, wie warum ich?, den Homo Sapiens, Mumien, die Liebe, die Ordnung, Kant! sieh an! Hintergründe sind gut recherchiert, oder hat Nuhr tatsächlich humanistisches Basiswissen? Egal, wenn die Beiträge den Leser hier und da zum Schmunzeln bringen. Das ist doch schon etwas.
Das Buch ist ästhetisch ansprechend gestaltet mit farbigen Bildern zu den diversen humorigen Beiträgen.
A. Klusmeier
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Karl May, Karl Marx, Mozart, Wagner, Hera und Zeus.
"Der
dritte bis fünfte Streich
Nach den großen Erfolgen (insbes. bei der Kritik) von "Die wahre
Geschichte von Saulus und Paulus" und "Treffen im Jenseits"
sind in diesem Buch drei weitere wahre Geschichten zusammengefasst, die
sich mit Leben und Ableben von allseits bekannten Figuren der Geschichte
und Kunst beschäftigen."
Den mails der Kritiker "einfach genial!" und der Leser "bin
vor Lachen aus dem Bett gefallen!" ist nichts hinzuzufügen."
Heike Reich
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Fienhold, Wolfgang
Die wahre Geschichte von Saulus und Paulus
Edition Razamba, Boppard 2010, 56 Sn.
ISBN 978-3- 941725-09-6
sowie
Die wahre Geschichte vom Treffen im Jenseits
ebenda, 51 Sn. Je 8.80 €
ISBN 978-3- 941725-11-9
Wolfgang Fienhold hat wieder zwei kleine aber feine Büchlein mit viel
Wissen und noch mehr Humor geschrieben. Ich habe schon lange nicht mehr
soviel gelacht, und das von der ersten bis zur letzten Seite. Ein paar humorvolle
Seitenhiebe auf Personen aus Fienholds Bekanntenkreis machen die Lektüre
für Insider natürlich noch lustiger, aber auch ohne Insiderwissen
sind beide Bücher des Lesens und Schmunzelns wert.
Wie der Buchtitel andeutet
sind im ersten Band die ungleichen Brüder Saulus und Paulus die Hauptakteure:
SAU-lus, der Schweineigel und Paulus, der Kleine, der sanftmütige "Schwulibert".
Es handelt sich um eine Reise durch die Geschichte, sowie durch einige reale
als auch nur literarisch bekannte Länder. Interessant ist, wie Fienhold
die Legende um Jesus Tod "aufklärt". Und seine Wortspiele
sind einfach umwerfend. So gibt es in Talibandur einen Despoten mit dem
Spitznamen Rübezahl. Warum er diesen Namen bekam, kann man denken ...
Die erste Reise geht in ein kleines Land in Europa mit sehr hohen Bergen,
wo die Einwohner eine "lustige Sprache" ihr eigen nennen. Diese
Sprache ist schnell zu erlernen, indem man an jedes Wort ein li hängt,
z.B. Puff gleich Püffli. Saulus, der Zocker, zieht es sofort in ein
Kneipli dem Geräusch fallender Würfel folgend, während Paulus
einen nahegelegenen gepflegten Park vorzieht. Dort trifft er auf einen Nordmann,
den roten Erich, neeee nicht der Honecker sondern der Däniker.
Zum Weglachen auch, wie Fienhold die Entstehung des Begriffs Barmusik erklärt.
Nein, das müsst ihr schon selbst lesen. Ich verrate nur, dass einer
der beiden Barmusiker Johannes heest, der schon seit 100 Jahren singt, der
andere namens Udo singt erst seit 70 Jahren.
Und obwohl die Schweiz kein Himmelreich ist, gibt es dort einen Petros und
einen Don Pedro, mit denen Paulus sehr interessante Unterhaltungen führt,
z.B. über die Entstehung des Begriffs "unbefleckte Empfängnis",
ich muss noch immer schallend lachen.
Weiter geht die Reise der Beiden ins Land der Gallier, wo die Leute so seltsame
Namen tragen wie Trübsalnix, Idiotifix und Astrowix usw., und es einen
Winzer namens Don Perignon gibt, Von Gallien aus geht's weiter in das sündige
Dorf, später sündige Stadt genannt, die Stadt der Liebe. Hier
trennen sich die Brüder. Paulus zieht es zurück, worauf ihm Saulus
zum Abschied sagt: "Hasta la vista, Baby Brother. Einen Reisenden soll
man nicht aufhalten. Such is life oder Celle la vie, wie man auch in Nordheide
sagt."
Der zweite Band "Die
wahre Geschichte vom Treffen im Jenseits" ist nicht direkt eine Fortsetzung,
d.h. na ja irgendwie schon, so geht es teilweise auch wieder um Jesus. Aber
auch die Comic-Helden Sigurd & Co. spielen eine Rolle in dieser "wahren"
Geschichte. Hansrudi Wäscher würde sich bestimmt freuen, zu lesen,
was seine Figuren im Jenseits so treiben.
Wer hat sich nicht schon mal Gedanken ums Jenseits gemacht? Egal ob gläubig
oder nicht ... also, so wie Fienhold es schildert, stelle ich es mir gerne
vor.
Die beiden Hauptakteure, der Pfarrer Dr. Tiegel und die halbintellektuelle
Verena Holt landen nach ihrem "Ableben" zuerst in der Wüste
und stoßen dann auf ein Schloss á la Neu Schwanstein, wo sie
Sigurd und seine Kumpels antreffen, ebenso Jesus und seine Jünger,
sowie Eva-Maria, die von den Geschichtsschreibern bisher unterschlagene
Frau von Jesus.
Und da es dort gute Speisen und "scheenen" Wein gibt und auch
Sex möglich ist, kann es nicht die Hölle sein.
Was mir im Jenseits auch gut gefallen würde, wäre die riesige
Schlossbibliothek, wo solch ausgefallene Sachbücher vorhanden sind
wie "Der Furz im Wandel der Zeiten. Philosophische Blähungen"
von Dr. med. G.T. P. und "Endlich Zeit für Depressionen. Ein Ratgeber
für Seniorinnen oder solche, die es werden wollen" von Dipl.Psych.
M.A. Sch.
Ja dort könnte man es wohl bis zum Jüngsten Tag aushalten. Aber
ich hoffe natürlich, dass es mich und Wolfgang Fienhold noch lange
nicht ins Jenseits verschlägt, denn ich möchte noch viele seiner
köstlich humorvollen Werke lesen.
M. Schiemann
Titel : Violettbuch Kirchenfinanzen
Autor : Carsten Frerk
Verlag : Alibri
ISBN : 978-3-86569-039-5
"Über Geld
spricht man nicht." Dieser Ausspruch trifft auf die beiden großen
christlichen Kirchen in Deutschland zu. "Man nimmt, genießt und
schweigt!" Öffentliche Diskussionen finden nicht statt, denn weder
Staat noch Kirchen haben ein Interesse daran, dass das Thema publik wird.
Selbst Kirchenmitglieder bekommen keinen oder kaum Einblick. Sollte die
Frage nach dem Vermögen einmal gestellt werden, ist gebetsmühlenartig
zu hören:
"Unser Reichtum sind die Armen!" und "Wir tun sozial so viel
Gutes!" Hierbei wird verschleiert, dass nur 2% der Kosten von Diakonie
und Caritas von den Kirchen finanziert werden, der große Rest wird
von den Sozialversicherungsträgern bezahlt.
540 Millionen Euro Staatsleistungen allein sind nur ein Teil der Zuwendungen
und Zuschüsse
an die beiden christlichen Kirchen. Alles in Allem waren es 2009 ca. 20
Milliarden!
Wie konnte es dazu kommen? 1919 wurde mit der Weimarer Reichsverfassung
die Kirchensteuer im gesamten Nationalstaat eingeführt, die Nationalsozialisten
führten 1934 den Kirchensteuereinzug durch die Arbeitgeber als staatliche
Aufgabe ein. Das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland übernahm
und erweiterte in Art. 140 i.V. mit Art. 138 Abs.1 :
"Die auf Gesetz, Vertrag oder besondere Rechtstiteln beruhenden Staatsleistungen
an die Religionsgemeinschaften werden durch die Landesgesetzgebung abgelöst,
Die Grundsätze hierfür stellt das Reich auf." Dieser Ablöseauftrag
ist bis heute nicht erfüllt dank der Lobbyarbeit der Kirchen.. Somit
kann man sagen : Die Zwangsabgabe Kirchensteuer ist verfassungswidrig, zumal
man davon ausgehen kann, dass ein Drittel der deutschen Bevölkerung
säkular eingestellt ist und trotzdem indirekt mitbetroffen, da sämtliche
Kosten für Einzug, Verteilung und steuerliche Absetzmöglichkeiten
etc. von Arbeitgebern und Staat getragen werden, also von den Steuerzahlern.
Das Buch gibt detaillierte Ein- und Überblicke über die Verquickungen
von Kirchen und Staat
auf den Feldern Kindergärten, Schulen sozialen Einrichtungen, Militär,
Mission, um nur einige zu nennen.
Es wurde ein Koordinierungsrat säkularer Organisationen ins Leben gerufen
(www-korso-deutschland.de), eine Interessenvertretung der konfessionsfreien
Menschen.
A. Meinhold
Titel:
Gierige Tage
Autor: Roger Strub
Verlag: Pendragon
ISBN: 978-3-86532-205-0
Die Ware Mädchen aus Osteuropa ist immer ein Krimi wert. Auch in diesem
Krimi wird für die Fussball-Europameisterschaft in Bern, die Ware Sex
benötigt. Ilka, eine Nutte im gehobenen Anschaffungsdienst soll aber
die Hintermänner auskundschaften und dingfest machen. Doch nach zwei
Dutzend Freiern täglich und ständigem Blasen hat sie nicht nur
den Mund, sondern auch die Nase voll. Istvan, der Schleuser hat dann auch
keinen Bock mehr auf Ilka und bringt sie um.
Lena, Berner Kommissarin mit Helfersyndrom, übernimmt verbissen die
Ermittlung. Leider erhält sie eine Todesdrohung von zwei Roma-Boys.
Denn die Schwester der beiden hatte versucht, während eines Urlaubs
in Rom, der Kommissarin die Geldbörse zu klauen. Bei der Verfolgung
des Roma-Mädchens fiel diese vor einen Zug und wurde überfahren.
Lenas Ermittlungen wurden deshalb durch diese persönlichen Ereignisse
überschattet. Die kleine Nutte Eleni, welche den Mord an Ilka beobachtete,
hat vor den bösen Boys aus Ungarn Angst und wird deshalb von Lena in
ihrer Wohnung versteckt und später persönlich ihren Eltern in
Ungarn übergeben. Trinken Sie viel beruhigenden Kräutertee, wie
ihn Lena liebt, und vielleicht schaffen Sie es, das voraussehbare Ende des
Krimis in wachem Zustand zu erreichen.
Greta Serbec
Drei
starke Frauen
Roman, Suhrkamp
Seit Monaten versucht
unsere Rezensentin A.M. diesen Roman fertig zu lesen und zu besprechen.
Es ist ihr nicht möglich, denn eine Plage nach der anderen sucht sie
seit dieser Zeit heim.
Wir suchen eine vierte, starke Frau, der wir dieses Buch zur Rez. zusenden
können. Bitte melden!
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Die Geschichte des Pendragon Verlags
Vor fast 4800 Jahren
erhielt Günther Budkus vom Pharao
den Imhotep Verlag für seine Verdienste im Kampf (Günther=Kampf)
gegen die Weltraum-Molusken, die den Bau der Pyramiden verhindern wollten.
Als Zugabe bekam er die Hälfte des Staatsschatzes. Damit kam er rund
2500 Jahre aus.
Zu dieser Zeit stoppte Budkus die Invasion der Killer-Oliven in Griechenland.
Erhielt dafür den Archimedes Verlag und die Hälfte des griechischen
Aerar. Das war nicht ganz so viel und deshalb drohte schon rund 700 Jahre
wieder die Pleite.
Dunnemals rettete er die Engländer vor dem Befall der Druiden Käfer.
Artus war dankbar und schenkte ihm den Pendragon Verlag, Der halbe Staatsschatz
war nicht so üppig und so klagt Budkus seit 100ß Jahren in jedem
Brief, in jeder Morsenachricht, Brieftaubenpost, Mail, Rauchzeichen, SMS,
Telefonaten etc. über den finanziellen Status des Verlags und den drohenden
Bankrott.
Man hat sich daran gewöhnt und nimmt es nicht mehr sonderlich ernst.
Immerhin ist inzwischen klar, dass er sein Imperium von Atlantis aus steuert
und Bielefeld ist, wie allgemein bekannt, das Tor zu Atlantis.
Budkus verschweigt auch gerne den Besitz anderer Verlage wie Bertelsmann
und Bastei-Lübbe, denn erhängt noch immer an den alten Sagen.
Und so wirft er noch unter dem Namen Pendragon Tausende von Büchern
auf den Markt. Zum Beispiel: Tödlicher Grenzverkehr. Ein Chiemgau Krimi
von Wolfgang Schweiger.
Das Buch ist auf Atlantis bereits vergrifffen, aber hierzulande noch für
läppische 9.95 € zu haben.
WGF
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Die Bielefeld Verschwörung
Embe-Walden-Hopfauf
Comic -
Pendragon Verlag
90 Seiten; 10.95 Euro
ISBN 978-3-86532-199-2
Der moderate Preis lässt ahnen, dass hier auf Farbe verzichtet wurde.
Die grau-weißen Zeichnungen sind anfangs ansprechend, aber etwas blass.
Grau und blass wie Bielefeld und auf Dauer langweilig. Im Wortsinn eintönig..
Der Comic ist kein großer Wurf, vielleicht ein Beginn. Die Autoren
meinen, dass in Bielefeld alles möglich sei. Das glaubte Toyota auch
und dann klemmten nur die Pedale. Wir wollen nicht zu schwarz sehen und
warten auf das nächste Werk.
Wolf
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Über den Tod hinaus
Autor :
Wolfgang G. Fienhold
Verlag: Literaturdepot
ISBN : 3-940-64023-9
Ein Lyrik Bändchen
vom Feinsten! Das Wissen um die Endlichkeit im Visier
lässt Fienhold teilhaben an Momentaufnahmen seiner Gedanken, Ideen,
seinem Wissen, oft gepaart mit subtilem und/oder auch derbem Humor. Wir
begleiten ihn in Frankfurter
Straßencafés und zu den letzten Spielen. Man ahnt seine Verzweiflung
an der unendlichen und unausrottbaren Dummheit und Impertinenz von Vermietern,
Ämtern, Polizeiganoven
und sonstigen Wichtigtuern und spürt doch seine Liebe zu Menschen.
All dieses und mehr läßt Bilder im Kopf entstehen. Man kann denken,
staunen, lachen, weinen und leise hoffen, dass der Autor uns nicht verloren
geht.
Antje Klusmeier
Anfeindungen
Autor : Michal Kiesen
Verlag : Pendragon
ISBN :978-3-86532-189-3
"Ich bin ein Idiot"
- so beginnt das Buch und man schüttelt beim Weiterlesen das
weise - oder auch nicht - Haupt und stimmt zu.
Der angesehene Bildungsbürger wird zu Hause von der Kripo aufgesucht,
verhaftet,
des Drogenhandels beschuldigt, ihm werden Behauptungen unterstellt, in seinem
abgelegenen Keller, den er fast nie aufsucht, wird eine Drogenpresse gefunden.
Man
lässt ihn wieder frei und nun beginnt seine persönliche Paranoia.
Er schleicht nur noch auf
Umwegen zu seiner Wohnung, um zu sehen, ob die Bullen vor der Tür stehen,
bewegt sich in seinen vier Wänden nur im Dunkeln, schreckt auf bei
jedem Telefonklingeln,
kurz: sein ganzes Leben gerät komplett aus den Fugen. Dies ist umso
erstaunlicher, als er selbst Jurist ist, doch jeder, der Ähnliches
erlebt hat, kann es nachvollziehen. Als Beschuldigter auf Polizeirevieren
ist man der absoluten Willkür ausgeliefert, ganz abgesehen von den
nachfolgenden juristischen Scharmützeln, denn die Staatsanwaltschaft
verlässt sich
eigenartigerweise erst einmal nur auf die polizeilichen Angaben und mögen
sie noch so falsch
oder getürkt sein. Der Auslöser der ganzen Aktion ist sein Freund,
ein albanischer Drogendealer, dem der Autor großzügig die Schlüssel
für Schäferstündchen in seiner Wohnung überlassen hatte.
Dieser Enver hatte sich dann auch die Kellerschlüssel besorgt und dort
die Drogenpresse zum Verteilen des aus Holland besorgten Stoffes aufgestellt.
Wie Alles auch mit den weiteren albanischen Familienmitgliedern zusammenhängt
und wie sich die Komplikationen, oder Lösungen entwickeln, sollte selbst
nachgelesen werden.
A. Meinhold
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Titel : Der kalte Blick der Rache
Autor : Roberto Mistretta
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 978-3-404-16353-3
Maresciallo Bonanno,
die Hauptperson dieses Sizilien Krimis, macht es einem nicht leicht
mit ihm zu sympathisieren. Er meckert unentwegt, ist zu fett, (fr)isst Unmengen
und das
verbunden mit einer kitschig-romantischen Ader, wobei er sich so plump anstellt,
dass man sich wundert, als die schöne Rosalia ihn erhört. Immerhin
scheint er einen guten
Instinkt zu haben und was seine Polizeiarbeit angeht, durchaus ein kompetenter
Ermittler zu sein. Die Morde an einem verheirateten Lehrer und seiner Geliebten,
die wiederum mit einem Kollegen von Bonanno verheiratet ist, scheinen auf
letzteren als Täter zu weisen. Bonanno erwehrt sich der Borniertheit
seines Vorgesetzten und ermittelt mit den Kollegen, die zu ihm halten, in
eine ganz andere Richtung. Die parallel erzählte anrührende und
unendlich traurige Geschichte eines Jungen und seiner Familie, die während
des Serbien-Kosovo Krieges ungeheuerliche Gräuel erleben und der Zusammenhang
dieser Geschichte mit dem vorliegenden Fall, erzeugen dann doch große
Spannung.
Um dahin zu gelangen, brauchts allerdings Geduld.
Der Beginn des Buches offenbart erhebliche Schwächen und Peinlichkeiten,
(die man allerdings auch als italienische Parodie verstehen könnte
- Berlusconi lässt grüßen!)
Je weiter der Autor voranschreibt, desto flüssiger und besser wird
sein Stil und die Story
rund.
AM
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Das grosse Glück für Anfänger
In 100 Schritte zum Happy End
Bridget Grenville-Cleave und
Ilona Boniwell
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN 978-3-404-66432-0
Unermeßlicher Schwachsinn
Die größten Philosophen diskutierten schon höchst intelligent über das Streben nach Glück. Ganze Regale füllen bereits zum Thema "Glück" die Buchhandlungen.
Bridget Grenville-Cleave
und Ilona Boniwell, die Autorinnen, wollen uns jetzt vor Weihnachten auch
noch mit 100 Schritten zum Happy End führen. Das Buch enthält
sogar eine Anleitung wie man mit Punkten das Glücksempfinden steigern
kann.
O,5 Punkte erhält der Leser, wenn er sein Alter außer Kraft setzen
kann. 2 Punkte für ehrenamtliche Arbeit. 3 Punkte erhalten Sie für
guten Sex, also schön üben.
5 Punkte für einen religiösen Glauben und sogar 2 Punkte für
einen Kirchgang. Für eigene Kinder nur 3 Punkte. Lächeln Sie mal
wieder: dafür erhalten Sie 2 Punkte. Minuspunkte gibt es für Arbeitsbesessenheit,
Single oder unglücklich verheiratet sein. Aber wer ist das schon!
Unter den Punkten: Kampftrinken, finden Sie die Anleitung: Trinken Sie nicht
durcheinander und keinen Alkohol am Steuer. Langfristige Vorteile des Tagebuchschreibens
führt zu besserer Gesundheit, aber nur für Asthma- und Rheumakranke
und weniger Arztbesuche für alle. Also fangen Sie sofort an Tagebuch
zu schreiben, denn Minister Rösler droht mit der Umkremplung der Krankenversicherung.
Genießen können Sie auf viele verschiedene Arten, zum Beispiel
durch Nachdenken über die Zukunft, Freuen über die Gegenwart oder
Erinnern an die Vergangenheit.
Ein sicherer Tipp von
den Autorinnen ist noch:
Falls Sie sich echte Sorgen um Ihr psychisches oder physisches Wohlbefinden
machen, wenden Sie sich umgehend an Ihren Arzt.
Greta Serbec
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Eva Rossmann
MillionenKochen
Bastei-Lübbe
270 Seiten; 7.99 €
Wieder hat Eva Rossmann
ein Kochbuch auf den Markt geworfen, in dem
marginal auch eine Kriminalgeschichte erzählt werden soll.
Es geht um die unsäglichen Kochshows im TV und leider ist das Buch
ebenso ungenießbar. Ein Mord auf 200 Saucen hätte es auch heißen
können
und ist kein weiteres Wort wert.
Wolfgang G. Fienhold
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Titel
: Choral des Todes
Autor : Jean-Christophe Grangé
Verlag : Ehrenwirth
ISBN : 978-3-431-03793-7
Dies ist mal wieder
ein Grangé der reinhaut! Ausgangspunkt sind Morde in armenischen
Kirchen in Paris, die Geschichte der Armenier und deren Riten. Kasdan, ein
armenischer Polizist im Ruhestand ohne Ruhe geht den geheimnisvollen Morden
nach. Der erste Tote ist ein Organisten und Chorleiter von Jungen, die noch
keinen Stimmbruch haben. Die Spuren weisen auf Kinder hin, die hier Chorgesang
übten. Einige der Kinder verschwanden spurlos und alle diesbezüglichen
Ermittlungen wurden seltsamerweise eingestellt. Auch bei den folgenden Morden
scheinen Kinder "im Spiel" zu sein. Volokine, ein junger drogensüchtiger
Polizist russischer Abstammung tut sich mit dem Oldie zusammen. Kasdans
Erfahrung und
die Musik-, IT-Kenntnisse und die Dynamik des jungen Volokine ergänzen
sich bestens, wenn auch ohne Friede, Freude, Eierkuchen. Dafür schleppen
beide zu viele persönliche Probleme mit sich herum. Sie dringen immer
tiefer in das Reich der "Bösen" ein - Nazis, die in Südamerika
untertauchten, dort Folterzentren aufbauten und durch ihre Erfahrungen in
den KZ mit den aberwitzigsten Menschenversuchen in den Diktaturen Südamerikas
hochwillkommen waren. Es ging soweit, dass in ihrer Siedlung "Colognia
Asuncion" auch Kinder konditioniert wurden, indem man sie durch spartanische
Strenge und Folter zu willigen Mordwerkzeugen formte. Hinzu kam der Wahnsinn
des Sektenführers, dass reine hohe Kinderstimmen so trainiert werden,
dass man mit extrem hohen Tönen töten könnte. Auch der französiche
Geheimdiest und Militär schickte Folterexperten und "Ärzte",
denn auch Frankreich hatte während des Algerienkrieges und den weiteren
Unabhängigkeitsbewegungen in Afrika "wertvolle" Erfahrung
gesammelt. Als das Pinochet
Regime in Chile dem Ende entgegentaumelte und die Folterer Angst vor Vergeltung
bekamen, erteilte Frankreich großzüge Hilfe und Aufnahme. Wo
waren diese Leute und was genau
führen sie im Schilde? Und welche Bedeutung haben die Kinder?
Es wurde bereits zu viel verraten ...
Es ist noch viel viel mehr darin
AK
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Dieter
P. Meier-Lenz
imwortgestrüpp
Drey Verlag
Hardcover 84 Seiten
ISBN 978-3-933765-42-0
Man hat sich daran gewöhnt,
dass Meier-Lenz gute Texte in edlem Outfit präsentiert. In kleinen
feinen Verlagen sowieso. Was bleibt ihm anderes übrig, wenn einstmals
renommierte Verlage wie Suhrkamp fast nur noch Schrott auf den Markt werfen?
Die Mehrzahl der Lyrikbändchen, die mir zugesandt werden, lese ich
nur an und lege sie kopfschüttelnd, gelangweilt oder verärgert
weg,
Einige der wenigen Ausnahmen war
mal wieder Dieter - P. Meier - Lenz.
Mehr Lob kann man keinem Kollegen zollen.
WGF
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Titel
: Die Flügel der Sphinx
Autor : Andrea Camilleri
Verlag : Lübbe
ISBN : 978-3-7857-2378-4
Commissario Salvo Montalbano
hat die Krise - er ist nun 56 Jahr alt, seine langjährige
Beziehung zu Livia aus Boccadasse scheint am Ende, man macht sich nur noch
Vorwürfe
und zur Zeit herrscht Funkstille. Auch das Wetter hebt die Laune nicht gerade:
Dauerregen,
und Eiseskälte. Nur seine Lust auf exquisites Essen ist ungebrochen.
Zwei innere Montalbanos streiten miteinander. Nr. 1 jammert übers Alter
und dieses und jenes, Nr. 2 sagt Nr. 1 die Meinung. Zum Glück siegt
meistens Nr. 2. Ansonsten treffen wir das altbekannte Personal, als da wären
Catarelli, gen. Catarè, der übereifrige Assistent, Dottor Augelli
(Mimì) und Fazio, Salvos Kellegen, den von sexuellen Zwangsvorstellungen
besessenen Ermittlungsrichter Tommaseo und den nervigen Vice-Questore, der
Allen gewaltig auf die Eier geht. Überhaupt "eiert" Camillieri
hier heftig - die Eier der männlichen Hauptpersonen dampfen, qualmen,
kreisen, rotieren, auf ihren wird gegangen, getrampelt und verwettet werden
sie auch. Man ist von diesem Land Italien immer wieder fasziniert und irritiert.
Schon Hermann Hesse stellte in seiner Italienischen Reise erstaunt fest,
dass Groß und Klein sich permanent und in aller Öffentlichkeit
an die Genitalien greifen, sie richten, rücken, suchen? - und bis heute
hat sich daran nichts geändert. Ja, und die Geschichte? Sie ist eigentlich
Beiwerk, denn Camillieri Leser erfreuen sich hauptsächlich an dem Zusammenspiel
des Polizeipersonals und dem Leben, dem Essen und den Gedanken Montalbanos
und dem Wortwitz des Autors. Der obligatorische Mord und seine Aufklärung
sind eigentlich Beiwerk. Hier wird eine junge schöne Frau nackt auf
einer Müllkippe gefunden, die ein bestimmtes Schmetterlingstatoo -
eine Sphinx - auf der Schulter trägt. Einfache und weniger einfache
Menschen, eine korrupte kirchliche Organisation mit Protektion von ganz
Oben (wen wundert es?) und junge Russinnen (wo sind sie nicht?) bilden das
Tableau des Krimis.
AKAM
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Martin Ebbertz
Bestiarium Nonsens
Razamba Verlag
ISBN 978-3-941725-05-8
54 Seiten. 8 Euro
Der Humor von Martin
Ebbertz ist nicht der von Titanic oder Mario Barth. Ist es überhaupt
Humor und wenn ja, warum und für wen schreibt er solche Büchlein?
Nun hat er neue Tierarten erfunden, wie viele andere vor ihm. Aber nicht
in Richtung Amtsschimmel oder Gier-Affe.
Solche:
Der Selbstzerstör
Der Selbstzerstör nimmt wahrscheinlich kein gutes Ende
So wird es sein. Für die Lektüre ist ein leicht abseitiger Witz
Voraussetzung. Ein milder, nicht bösartiger Humor gehört dazu.
Das Buch ist auch für Kinder geeignet und nette Leute mit einem kindlichen
Gemüt. Diese Leser wünschen wir dem Jungverleger.
WGF oder Ulkmuffe (gibt's auf Seite 44 und wird vom Rechtschreibprogramm
erstaunlicherweise akzeptiert).
WGF
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Titel : Projekt Aladin
Autor : Peter Millar
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 978-3-404-16311-3
Zurückschauen,
um die Gegenwart und die Zukunft zu verstehen,
darum geht es in diesem Buch.
Was verbirgt sich wirklich hinter der Geschichte "Aladins Wunderlampe"
aus 1001er Nacht?
Terroristen drohen England mit dem Licht aus dem Berge.
Der Archäologe Marcus Frey mit seiner palästinensichen Partnerin
Nazreem Hashrawi - beide Wissenschafter an der Universität Oxford -
geraten bei ihren Forschungen bis in die Berge Afghanistans und fast
unter die Räder eines hysterisch-paranoiden britischen Geheimdienstes.
Die Lösung ist "vor der Haustür" zu finden.
Gute Story!
AK
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Titel : Das Herz der Hölle
Autor : Jean-Christophe Grangé
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 978-3-404-16284-0
"Das Böse"
hat Konjunktur in Zeiten der globalen Unsicherheiten.
Katholische Seminaristen zum Priester ausgebildet, werden Polizeikommissare,
um "Das Böse" zu vekämpfen! Einer der beiden begeht
Selbstmord und der
andere sucht den Mörder und erlebt bei seinen Recherchen ein wahres
Inferno.
Grangés Morde werden von Buch zu Buch abartiger und irrer. Der Teufel
selbst
scheint seine Hand im Spiel zu haben.
Man erhält durchaus skurrile Einblicke in den Glauben und Aberglauben
des katholischen Biotops. Es bleibt unklar, ob der Autor den Unsinn ernst
nimmt,
der in den Köpfen und (Un)Taten seiner Figuren herumspukt.
Nein, das Thema ist einfach absurd. Dieses Mal hat Grangé überzogen.
Schade - denn spannend schreiben kann er.
AM
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Günther Budkus (Hg.) Mord-Westfalen II. Anthologie
im Pendragon Verlag.
411 Seiten. 12.90 €. ISBN 978-3-86532-139-8
Diese Antho ist ein weiterer
Meilenstein des Pendragon Verlags zum Krimi-Spezialisten.
Durchweg solide Stories präsentieren hier Altmeister und Newcomer.
Keine ist richtig schlecht und keine haut einem die Makarow aus dem Holster.
Oft werden altbekannte Themen variiert, alte Morde neu verpackt, auch der
Herausgeber und Verleger selbst, greift einen auf, den man so ähnlich
schon mehrmals gelesen und gesehen hat, im Fernsehen oder Film. Sei`s drum,
es ist lockere, keine seichte Unterhaltung.
Mord-Westfalen ist damit wohl abgefrühstückt und Verleger Budkus
sollte die Reihe mit anderen Bundesländern fortsetzen. In Mords-Hessen,
beispielsweise, wird er die wahren Cracks finden. Frankfurt wird noch in
100 Jahren krimineller sein, als Bielefeld, selbst wenn dort Jack the Ripper
auftauchen sollte.
WGF
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Eva Rossmann: Wahlkampf. Ein Mira-Valenski-Krimi
Bastei Lübbe Taschenbuch, Band 16277, 2009. 253 Sn. 7,95 Euro
ISBN 978-3-404-16277-2
Die in Graz geborene
Autorin lebt als freie Journalistin und Autorin in Wien.
Gleichfalls in Wien agiert ihre Hauptfigur Mira als freie Journalistin und
unfreiwillige Hobby-Detektivin. Sie teilt sich als Single mit ihrer Schildpattkatze
ein Appartement über den Dächern von Wien und hat eine bosnische
Putzfrau mit Motorrad, die ihr hilfreich zur Seite steht. Für mich
ist dies ein sehr amüsanter und äußert spannender Frauenkrimi.
Aber natürlich ist diese Lektüre auch für Männer interessant
und vor allem lehrreich: Männer sollten sich also Bemerkungen nach
der ersten Liebesnacht wie: "Jetzt habe ich dich wohl für alle
anderen verdorben, Baby" besser verkneifen, wenn ihnen etwas an diesem
"Baby" liegt.
Das Buch beginnt mit der Rückkehr Miras aus dem Urlaub in die Redaktion, wo ihr der Chefredakteur mitteilt, dass sie das Ressort zu wechseln habe. Da sie an Politik nicht interessiert ist, war sie bisher für das Ressort Lifestyle zuständig gewesen und hatte sich den faux-pas geleistet, sich in ihrem Artikel über eine altende Diva lustig zu machen, deren Mann einer der größten Anzeigenkunden des Blattes ist. "Kir Royal" lässt grüßen - aber warum sollte es in Wiener Redaktionen anders zugehen als in Münchner? Mira bekommt noch eine Chance und soll nun über die menschliche Seite des gerade stattfindenden Wahlkampfes in Austria berichten. Als sie daraufhin am nächsten Morgen den Präsidentschaftskandidaten der Sozialdemokraten aufsucht, hört sie von draußen den Schrei: "Mörder". Dies wird jedoch erstmal als Geräuschkulisse eines im TV laufenden Krimis abgetan. Doch der erste Tote lässt nicht lange auf sich warten und kaum 100 Seiten später folgt der zweite. Mit Unterstützung ihrer Putzfrau und ihres neuen Ressortchefs kommt Mira hinter einige Machenschaften und deckt so nebenbei auch eine Schwarzgeldaffaire auf. Ich muss gestehen, auf die Auflösung des Falles wäre ich nie gekommen.
Das Besondere an diesem Kriminalroman ist, dass er auch als Kochbuch durchgehen könnte: das beginnt bei der Burenwurst am Würstelstand und geht bis zum 6-Gänge-Menü, das Mira für ihren im Rollstuhl sitzenden Ressortchef zubereitet, und zwar auch immer mit der passenden Weinempfehlung dazu. Wer sich fragt: "Was kochen wir denn heute mal?" wird auf jeden Fall in diesem Buch fündig. Ein Fischrezept gebe ich hier schon mal preis: "Man rühre eine Packung grobes Salz mit etwas Wasser an, bestreiche damit den Branzino bis ihn die Salzkruste völlig umschließt und lasse ihn 20 Min. lang bei 250 Grad im Rohr garen. Dann die Salzkruste abklopfen und dazu einen leichten Sauvignon und frisches Weißbrot."
Und nun wünsche ich einen guten Appetit und viel Spaß bei dieser amüsanten und spannenden Lektüre, bei der einem auch manchmal das Wasser im Munde zusammen läuft.
Merry
18.07.2009
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Wolfgang Fienhold: Mainhattan Deals. Der Schweinebauchpate
- Das Original.
Edition Flamingo No. 1, Frankfurt am Main 2009, 208 Sn. 12,95 Euro
ISBN 978-3-00-027335-3
Welchen Autor würde es nicht gruseln, wenn sich plötzlich eine
seiner Romanfiguren genüsslich ein Eis schleckend zu ihm an den Kneipentisch
setzt und ihm flüsternd droht: "Lass das mit dem Buch oder du
bist ein toter Mann" ...
Nun denn, die Warnung kam zu spät. Das Buch von Wolfgang Fienhold liegt
mir druckfrisch zur Rezension vor.
Es beginnt mit Schüssen
aus dem Nichts, die die Hauptfigur des Romans, Herrn B. nur deshalb verfehlen,
weil er einen englischen Wagen mit dem Steuer rechts fährt. Wer die
Schüsse abgegeben hat, erfährt der/die Lesende zum Schluss des
Romans.
Köstlich amüsiert habe ich mich über das Kapitel, in dem
ein Pokeranfänger Pokerprofis reinlegt. Auch ansonsten habe ich wenig
Mitleid mit den Abgezockten: Wer so geldgierig ist und den Hals nicht voll
genug kriegt, d.h. also, wer es auf "schnelles Geld" absieht,
hat es nicht anders verdient, als reingelegt zu werden: "Gauner gegen
Gauner".
Fazit: Dieser Roman ist ein Muss für alle Insider. Aber auch, wer nicht in Mainhattan lebt, wird seinen Spaß an dem Wortwitz des Autors haben. Und ehrlich gesagt: solche Lokalitäten und Typen gibt es doch in jeder Großstadt, oder nicht?
Merry
22.06.2009
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Titel
: Warrior Cats
Autor : Erin Hunter*
Verlag : Beltz & Gelberg
ISBN : 978-3-407-81050-2
Mut, Tapferkeit, Leidenschaft,
Freundschaft, Treue, Intrigen, Verrat - alles Zutaten, die man von guter
Fantasy erwarten darf, schenken uns diese Warrior Cats des Donnerclans,
einer der vier im Wald lebenden Katzen-Clans. Die Führerin des Donnerclans
ist Blaustern, eine blaugraue Kätzin mit Silber um die Schnauze; der
zweite Anführer Tigerkralle, ein riesiger dunkelbraun getigerter Kater
und einer der stärksten Krieger. Feuerherz, ein hübscher Kater
mit rötlichem Fell ist einer der jüngeren Krieger und bester Freund
von Graustreif. Feuerherz spürt, dass mit Tigerkralle etwas nicht in
Ordnung ist. Er verdächtigt ihn des Meuchelmordes an einem Clanmitglied
und sucht mit Graustreif nach Beweisen. Er hat wie alle Krieger seine täglichen
Aufgaben, als da sind: Patrouillengänge an den Reviergrenzen, Markierungen,
Frischfutter jagen und als Mentor für Schüler zuständig zu
sein. Werden Übertretungen durch fremde Clans festgestellt, erfolgen
Kämpfe auf Leben und Tod. Feuerherz befindet sich im Konflikt zwischen
der Freundschaft zu Graustreif und der Treue zum Clan, weil Graustreif und
Silberfluss, eine Kätzin vom feindlichen Flussclan, sich unsterblich
ineinander verliebt haben und heimlich treffen, was nach Clan-Kodex Verrat
bedeutet.
Nach der Blattleere, einem harten Winter, der den Katzen das Letzte abfordert,
ereignet sich die noch größere Katastrophe, als der Fluss über
die Ufer tritt und eine riesige Überschwemmung den Flussclan zu vernichten
droht. Auf Patrouille entdecken Feuerherz und Graustreif zwei junge Kätzchen
des Flussclans, die zu sterben drohen. Trotz der großen Feindschaft
zwischen den Clans überwinden sich die Donnerclan Katzen und
tragen die Jungen durch den reißenden Fluss, um sie dem Flussclan
zu übergeben.
Neben all diesen Aufregungen steigt die Spannung zwischen Tigerkralle und
Feuerherz.
Dieser findet den Beweis für Tigerkralles Meuchelmord, aber Blaustern,
die Chefin, glaubt ihm nicht. Doch dann spitzt sich die Lage zu, als Tigerkralle
zum gloßen Schlag ausholt.
Seine Gier, sein Ehrgeiz und seine Mordlust münden in einem großen
Kampf auf Leben und Tod. Schafft Feuerherz es, den übermächtigen
Tigerkralle zu besiegen? Können Blaustern und der Donnerclan gerettet
werden? Man fiebert beim Lesen mit, man trauert mit bei den Katzen-
Dramen, man freut sich auch als Katzenfan daran, dass diese Katzen nicht
zu vermenschlicht wurden. Unbedingt zu erwähnen ist auch das fantastische
Titelbild - wunderschön!
AK
*hinter Erin Hunter
verbergen sich drei Autorinnen:
Victoria Holmes, Cherith Baldry, Kate Gary.
Titel
: Das letzte Testament
Autor : Sam Bourne
Verlag : Scherz,
Unternehmen der S. Fischer Verlag GmbH
ISBN : 978-3-502-10188-8
Jahrtausende alter und
unaufhörlich andauernder Irrsinn im "Heiligen Land".
Araber gegen Juden, Juden gegen Araber, Geheimdienste, die auch untereinander
zerstritten sind, bespitzeln, abhören, verraten, sich umbringen. Dazwischen
die USA, die als offiziell erfolgsgläubige, tatsächlich rücksichtslos
brutale und bis heute erfolglose Vermittler mitmischen und das unter Einsatz
aller legalen und, wer würde es heute nicht mehr glauben, illegalen
Mittel.
Maggie Costello wird von der US Regierung als Mediatorin in die Friedens-
Verhandlungen nach Israel geschickt und gerät bei ihren Nachforschungen
in einen
Strudel des Wahnsinns. Es geht um nicht weniger, als das Testament Abrahams,
eine mesopotamische Schrifttafel, die während des Irak Krieges und
des Sturzes
Saddam Husseins bei der Plünderung der Museen geraubt und über
diverse dubiose
Schmuggler bei einem israelischen Archäologen landet, der die Keilschrift
entziffern
kann und sofort die Brisanz erkennt, denn Abraham, der von Juden und Arabern
als
Stammvater angesehen wird, hat darin festgelegt, wem der Tempelberg gehört,
seinem Sohn Isaak oder Ismael. Es geht also um Krieg oder Frieden.
Ehe er dazu kommt, seiner Regierung den Text bekannt zu geben, wird er ermordet
und auch sein palästinensischer Kollege, seine Frau und alle, die von
dem Text erfahren haben können. Sein Sohn Uri Guttman wird von Maggie
Costello befragt und beide machen sich auf die Suche nach der Schrifttafel,
die Vater Guttman vor seinem Tod in Sicherheit gebracht hat. Entkommen sie
Tod und Folter, erreichen sie ihr Ziel?
Ein unglaublich spannendes und politisch aktuelles Buch. Sam Bourne ist
das Pseudonym für Jonathan Freedland, bekannter englischer Nahost Journalist;
man merkt an vielen Details, er ist intimer Kenner des Nahen Ostens.
AK
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"Zentrale Werke"
von
Alfred Döblin
wieder im
S.Fischer Verlag
Döblin hat schon
so manche Renaissance erfahren. Am bekanntesten waren bis 2008 wohl die
Fassbinder Verfilmungen von "Berlin Alexanderplatz". Dann schlug
der Fischer Verlag zu und präsentierte Döblins Gesamtwerk in dicken,
weißen Bänden.
"Monumental" ist das Lieblingswort des Klappentexters und das
stimmt. An dieser gigantischen Textsammlung kann man gut und gerne ein Jahr
lesen.
Auf meinem Schreibtisch türmen sich elf Bände mit weit über
600 Seiten pro Buch.
Wallenstein, Rosa Luxemburg, die deutsche Revolution von 1918 und und ...
Ich kenne nicht mal die Hälfte dieser Bücher mit Namen, geschweige
denn habe ich sie alle gelesen.
Präsent sind mir die Verfilmungen und sogar noch eine 15 Pfennig Briefmarke
aus DDR Zeiten, aber sonst?
Ein grober Abriss der Biografie:
Döblin war Arzt, lebte fast 80 Jahre und schrieb für die Zeitschrift
"Der Sturm". Nietzsche und Hölderlin waren seine Vorbilder
und er emigrierte 1933 wegen der Nazis, wurde französischer Staatsbürger,
schrieb wie besessen und starb an der Parkinsonschen Krankheit.
Nun liegen die ansprechend gestalteten Wälzer vor mir und ich überlege
wo, was und wie ich damit anfangen soll.
Literaturhistorisch ist diese Ausgabe ein Muss, für eine Abiturarbeit
wäre sie zu meiner Zeit ideal gewesen, aber alle faulen Genies haben
damals Borchert oder Kafka genommen. Die waren überschaubar.
Sicher habe ich Döblin angelesen und werde hier und da noch einige
Seiten lesen, mich aber ansonsten an den angenehmen Anblick im Regal erfreuen.
Ich empfehle dieses Werk Germanisten, die daraus mindestens elf Doktorarbeiten
erstellen können. Und jedem anderen, der noch genug Lebenszeit hat.
W. G. Fienhold
Titel : Wie es Gott gefällt
Autor : Niccolò Ammaniti
Verlag : S.Fischer
ISBN : 978-3-10-000826-8
Ein ironischer Titel
und eine sarkastische Übersetzung. Der Originaltitel im italienischen
lautet "Come Dio comanda". Auch sonst irritiert dieses Buch. Warum
soll man seine Fantasie im Schmutz auf Lesereise schicken? Die handelnden
Personen sind allergräuslichstes Prekariat, als da wären:
Rino, ein viriler tätowierter Glatzkopf mit Naziallüren und sein
13-jähriger Sohn
Christiano, den er mit abartigen Mutprobem abhärtet und ansonsten vernachlässigt.
Sie hausen in einem heruntergekommenen Dreckloch. Die zwei Freunde sind
Quattro Formaggi, ein Geisteskranker, der sich jede Nacht das gleiche Wichsvideo
reinzieht und Wunschtraum mit Realität verwechselt mit ganz bösen
Folgen und der
andere Danilo, Alkoholiker, der meint, seine Alkoholsucht beenden zu können
und seine
Frau wiederzugewinnen, wenn er einen Bankautomaten knackt und reich wird.
In einer einem Weltuntergang ähnlichen Gewitternacht erfüllen
sich die Schicksale
der drei Idioten. Warum Gott da etwas befehligt, oder warum Gott daran etwas
gefallen
könnte, erschließt sich erst mal nicht, auch wenn der Geisteskranke
allerlei religiösen Wahn
abbrabbelt. Die interessante Person ist der kleine Christiano, der letztendlich
allein
auf sich gestellt, Übermenschliches leistet, um einen Mordverdacht
von seinem
trotz Allem geliebten Vater abzuwenden. Bei allem Schmutz ist für Christiano
dieser Vater das Wichtigste in seinem Leben, den er nicht verlieren will.
Er zerbricht (fast) an der unmenschlichen Last. Ein ganz kleines Licht am
Horizont gibt Hoffnung für Vater und Sohn.
Der Klappentext des Verlages erscheint reichlich harmlos. Von wegen "Dicke
Freunde" und
"hochkomisch"! Zum Ende ist jede der handelnden Personen auf sich
gestellt, Freundschaft existiert nicht, hochkomisch bleibt im Hals stecken
und Gott ist nicht mal tot, es gibt ihn gar nicht.
AK
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Titel : Mord in San Francisco
Autor : Dan Turèll
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 978-3-404-15904-8
Was ist denn hier los?
Einsamer Wolf hat geheiratet! und befindet sich auf Hochzeitsreise in San
Francisco!, wer hätte das gedacht. Also keine urigen, vergammelten
Kopenhagener Kneipen, in denen Danny - so wird der Kult-Autor in Dänemark
genannt - die Scene beobachtet, denkt, raucht, spielt, trinkt. Auch kein
cholerischer Zeitungsboss, der ihm den letzten Nerv raubt. Nein, man spaziert
in Frisco herum und betreibt so interessante Tätigkeiten, wie Hotel
suchen, schlafen, baden, essen, Kneipen besuchen (immerhin). Es wäre
jedoch kein Dan Turèll, wenn unser namenloser Held auch hier nicht
in ein Verbrechen hineingezogen würde.
Ein Drogenkartell, bestehend aus den üblichen Gewieften und den üblichen
Brutalos fürs Grobe, mal Jäger mal Gejagte und ebenso die San
Francisco Police, die zunächst unseren Held verdächtigt und die
dann mit ihm und dem dänischen Kripo-Kollegen Ehlers der Lösung
näher kommt.
Der Spannungsbogen zieht sich etwas quälend langsam dahin,
zum Ende gibts dann doch ein wahres Feuerwerk.
Trotz einiger Vorbehalte, Dan Turèll zu lesen, lohnt immer. Der Mann
kann schreiben.
Leider teilt der Verlag mit, dass "Mord in San Francisco" der
letzte Band der Krimi-Serie ist. Schade, schade!
(Der Autor hat sich1993 das Leben genommen).
Ein Satz zum Ende des Buches illustriert vielleicht seine Einstellung:
"Auf eine verblüffende, banale und idiotische Art zugleich, fiel
mir wieder ein, dass sich alles in Kreisen abspielt und immer auf die gleiche
Weise endet. Egal, was passiert ist, egal, wer wann und warum gestorben
ist. Irgendwelche bleiben immer übrig, welche, die hinterher dasitzen,
rauchen und Kaffee trinken, wie um ein modernes Lagerfeuer, und über
das Geschehene reden. Wäre ich tot, würden woanders die anderen
ebenso dasitzen."
AM
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Titel
: Stimme der Angst
Autorin : Cathy Vasas-Brown
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 978-3-404-15861-4
Eine ganz schön
heiße Story! Es geht um junge Frauen, die sich mit Telefonsex ihr
Geld fürs Studium verdienen, um die übliche Kundschaft, darunter
natürlich auch Perverse, die ihre Fantasien nicht nur am Telefon, sondern
life ausleben wollen. Einer stellt sich seine Telefonsexpartnerin als reale
Traumfrau vor, die er unbedingt finden will. Um das zu erreichen, werden
die Freundinnen nach und nach gekidnappt, gequält und ermordet. Letztlich
konzentriert sich alles auf Paige Rowan, die vor ihren Sekteneltern nach
Europa geflüchtet und nach deren Tod nach Portland/Oregon zurückkehrt
war. Sie hat den Telefonsex lange aufgegeben und möchte mit Joshua,
ihrem Freund, zusammen leben. Als er, ehemaliger Priester Seminarist, von
ihrer Vergangenheit erfährt, bricht seine heile Welt zusammen. Paige
macht um sich abzulenken mit einer kleinen Reisegruppe einen mehrtägigen
Bootstrip die Küste von British Columbia hoch. Hier eskaliert die Geschichte
und endet ganz anders als erwartet.
Die Autorin hat einen Spannungsbogen mit "Links" zu ganz unterschiedlichen
gesellschaftlichen Milieus geschaffen. Der Kontrast zu der Beschreibung
der Schönheit einer grandiosen Landschaft und den psychopathischen
Zwangshandlungen von Neurotikern, getarnt als brave Bürger entblättert
die Idylle, wenn es diese denn überhaupt geben kann.
AK
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AnthologieTitel:
Ich weiß um deine dunkle Seele
Herausgeber : Giancarlo De Cataldo
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 978-3-404-92288-8
Eine Reihe bekannter
italienischer Autoren (Ammaniti, Camilleri, Carlotto, Dazieri,
De Cataldo, De Silva, Faletti, Fois, Lucarelli, Mancini) liefern Geschichten
aus dem
Italien des Berlusconi. Ein Land der Mafiosi. Neben den üblichen zu
Recht verdächtigen, tummeln sich dort inzwischen die kroatische, serbische,
marokkanische, chinesische Mafia. TV Stars, arme Huren, verkokste
Schönheitschirurgen und man glaubt es kaum noch, auch integre Menschen
auf der Suche nach Wahrheit oder nur einem anständigen Leben. Es soll
sich hier laut Herausgeber um "noir italiano" handeln, also nicht
das übliche Krimi-Klischee, sondern im Mittelpunkt steht ein Antiheld
(Detektiv oder Polizist), dessen Aufgabe nicht die Lösung des Kriminalfalles
ist, sondern Ziel des "noir" ist es, eine Welt zu beschreiben
in der Verbrechen entstehen. Warum "noir" (französisch für
schwarz) und nicht "nero" (italienisch für schwarz), hängt
wohl damit zusammen, dass diese Form der Kriminalgeschichten in den 80iger
Jahren in Frankreich entstand.
Gleich die erste : "Mein Ein und Alles" von Niccolò Ammaniti
und Antonio Manzini ist so wunderbar absurd und irre, dass man als Leser
zwischen ungläubigem Staunen und Totlachen schwankt. Eine Spezialität
aller Autoren sind "Eier" (Hoden). Laufend werden sie erwähnt,
versichert der italienische Mann sich ihrer, hat Mann das Gefühl, dass
auf ihnen herumgetrampelt wird. Frauen, die dem Machogehabe nichts abgewinnen
und der permanenten Anmache widerstehen, werden als "Eiertrommlerin"
bezeichnet. Auch hier staunt die Leserin und fragt sich, cui bono?
AK
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Titel
: Schatten der Tiefe
Autor : Francisco José Viegas
Verlag : BLT - Bastei-Lübbe-Taschenbuchverlag
ISBN : 978-3-404-92263-5
Der Ausgangspunkt : auf der Expo 98 in Lissabon werden ein Meeresbiologe von den Azoren, dann eine Kollegin aus Mexiko im Meeresaquarium inmitten der Fische schwebend leblos aufgefunden. Später kommen noch weitere Leichen hinzu. Jaime Ramos, der Kommissar aus Porto, nach Lissabon strafversetzt, darüber nicht erfreut, soll die Fälle lösen. Dieser Kommissar scheint die meiste Zeit zu träumen, Gedankenfetzen an eigene Erlebnisse, seine Freunde, seine Frauen, sein Land, das Leben vermischen sich mit dem blauen Rauch seiner Zigarren und man fragt sich verwundert: was für ein Kommissar ist das denn? Bei diesen Gedankengängen, an denen der Leser nicht ohne Vergnügen teilhaben kann, blitzen spontane Eingebungen, Ideen, Details, Personen, Orte, Stimmungen, Gerüche auf, die ihn auf die richtige Fährte bringen. Jaime Ramos ist ein völlig undisziplinierter Sammler, der seine Beute dem Zufall überlässt. Es kristallisiert sich dann heraus, dass der Grund der Verbrechen die Suche nach dem azorischen Drachenfisch (scorpaena azorica) sein soll. Der amerikanische Geheimdienst, der sich ebenfalls eingeschaltet hat -natürlich immer auf der Suche nach dem Bösen - spekuliert, dass womöglich eine Spezies zu finden sei, die alles Böse in sich birgt. Das Ende des Romans und die Lösung aller Fragen wirken zerfasert und unbefriedigend. Der Leser merkt, dass dem Autor zum Ende die Lust oder die Luft ausgeht. Trotzdem lesenswert, ein Buch zum Mitträumen und Mitdenken.
A. Meinhold
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Titel : Die Stimme wirkungsvoll einsetzen
Autorin : Sabine F. Gutzeit
Verlag : Beltz (mit Audio CD)
ISBN : 978-3-407-22620-4
Friedrich Nietzsche schrieb : "Das Verständlichste an der Sprache ist nicht das Wort selber, sondern Ton, Stärke, Modulation, Tempo, mit denen eine Reihe von Wörtern gesprochen wird, kurz, die Musik hinter den Worten, die Leidenschaft hinter dieser Musik, die Person hinter dieser Leidenschaft: Alles das also, was nicht geschrieben werden kann." Ganz kann man ihm da nicht folgen, denn ohne Inhalt bleibt auch Sprache eine hohle Nuss. Wahr ist, dass eine ausdrucksstarke schöne Stimme die halbe Miete ist. Wer reden will, reden muss, reden soll und nicht von Natur aus mit einer schönen ausdrucksstarken Stimme ausgestattet ist, für den ist dieses Buch geeignet, denn man kann durchaus an seiner Stimme arbeiten. Die Grundlage ist die Atmung, denn wenn die Stimme zittert, zu leise ist oder bricht, ist zum Beispiel eine unruhige, flache Atmung die Ursache. Es werden Zwerchfell- oder Bauchatmung, Brustatmung, Flankenatmung und auch die anatomischen Gegebenheiten dargestellt, sowie die notwendige Körperhaltung. Ein anderes Thema ist die individuelle Sprechstimmlage. Man findet z.B. die richtige Tonlage, wenn man ein lockeres mhm, mmm summt. Dann die innere Überzeugung, der Glaube an das was man sagt, usw. Es werden eine Menge Tipps gegeben und alle Ratschläge können anhand einer CD geübt und ausprobiert werden. Aber Achtung: Es gibt geübte Sprecher, die ihnen das Blaue vom Himmel versprechen, ein schönes Beispiel sind die amerikanischen Prediger, die ihre Zuhörer bis zur totalen Verblödung mit Stimme einseifen. Auf den Inhalt sollte man trotzdem achten und das eigene Denken nicht vergessen.
A. Meinhold
Titel
: Als wäre es gestern gewesen ...
Als könnte es morgen sein
Herausgeber
der Anthologie:
Wolfgang G. Fienhold
Bernhard Ganter
Gerald Meyer
Verlag : Lerato Verlag
ISBN : 978-3-938882-41-2
Welch ein Thema! Diese
Anthologie enthält Beiträge von bekannten und
neuen Schriftstellern, Lyrikern, Humoristen und Satirikern, von abgeklärten
und
professionellen, sowie auch von ungestümen jungen Autoren. Sie erzählen
wie es wäre, wie es sein könnte, wie es ist und wie es enden wird
- DAS LEBEN.
Lebensgeschichten, Ansichten, Erinnerungen, Einsichten, Momentaufnahmen,
Absurditäten, eben das ganze Spektrum an Lebensgefühl, Erfahrungen,
Glück, Angst, Wut und Enttäuschungen und die Erwartung des großen
Finalisten, dem Tod. Besonders liebenswert sind die Geschichten und Gedichte
zu den vielen kleinen banalen Erlebnissen, die ja den größten
Teil unseres Lebens ausmachen und deren Situationskomik mit dem "Ernst
der Lage" versöhnen mag. Dazu enthält die Anthologie eindrucksvolle
Bilder und Grafiken bekannter Künstlerinnen und Künstler.
Eines meiner Lieblingsgedichte aus dieser Anthologie:
Dieter P. Meier-Lenz
abendlied
den horizont in den schlaf wiegen
noch etwas vom licht trinken
hungrig über die dämmerung herfallen
noch einmal die schatten
vorm haus zählen
die fledermäuse begrüßen
und rebecca der kröte
den rücken kraulen
sich den sonnenuntergang
als schauspiel ansehen
die zeitlupe des salamanders
im lichtschein der fenster bewundern
über einem bruch
die träume sortieren
sich vorwürfe
machen
die kröte
nicht geküsst zu haben
AK
Titel
: Gute Marken - Böse Marken
Konsumieren lernen, aber richtig!
Autor : Stefan Kuzmany
Verlag : Fischer
ISBN : 978-3-596-17582-6
Wieder so ein Buch,
das niemand braucht, denke ich, als ein
Freund es mir in die Hand drückt. Anlesen schadet nicht und ich schmunzele
mich durch das erste Kapitel. Im Prinzip geht es darum, dass sich der innere
Schweinehund trotz aller Bio Appelle nur schwer überlisten lässt
und auch Junk
Food, wie fettige Big Macs, Chicken Nuggets, Pommes, usw. lustvoll vertilgen
will. Oder DanKlorix, der fiese Badreiniger, zu dem Männer greifen,um
ihre versaute Wohnung auf Vordermann zu bringen, wenn endlich "die"
Traumfrau einschwebt. Wenn Sie Fan der Apple Produkte sind, können
Sie sich sämtliche Illusionen abschminken. Die Produktionsbedingungen
des i-Pod in Asien lassen selbst abgebrühte Globalisierer erblassen.
So geht es flott weiter, wenn auch mit ernstem Hintergrund. Der Autor verfügt
über Sprachwitz und seine Selbstversuche sind an Komik nicht zu überbieten.
(Ganz bekehrt wurde ich auch nicht und gebe zu, mir gleich eine Flasche
DanKlorix besorgt zu haben; das Zeug ist fies, stinkt, aber die Wirkung
ist phänomenal).
AM
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Titel : Geniale Denker
und clevere Tüftler
Autor : Bernd Flessner
Verlag : Beltz & Gelberg
ISBN : 978-3-407-75329-8
Unterhaltsame, persönliche
Anekdoten aus dem Leben der Tüftler und Erfinder
führen als Fantasieöffner in das jeweilige Thema ein. (*s.u.)
Vom Gebrauch des Feuers bis zur bemannten Raumfahrt werden hier die wichtigen
zwanzig Erfindungen, die die Welt veränderten, erzählt. Wisst
Ihr, wer das Drama R.U.R. 1920 geschrieben hat und seitdem das Wort Roboter
für den künstlichen Menschen in der Welt war? (robota = tschechisch
Fronarbeit). Es war der Tscheche Carel Capek; oder, dass der Kaufmann Johann
Weck die Erfindung des Chemikers Rudolf Rempel vermarktete und die Menschen
ihre Lebensmittel endlich einwecken und damit haltbar machen konnten, bevor
in den sechziger Jahren die Kühltruhen das Einwecken verdrängte?
Die Kühltruhen waren wiederum eine Weiterentwicklung der von Carl von
Linde erfundenen Kühlschränke. Dazu gibt es eine anschauliche,
opulente, farbige Bebilderung, die das Buch zu einer unterhaltsamen und
lehrreichen Reise entlang des menschlichen Erfindergeistes machen.
*ein Auszug: 1885 in Mannheim - "Jetzt steht er da, der Motorwagen.
Patentiert, fahrbereit und herausgeputzt. Doch nicht einmal ansehen wollen
ihn die Leute. Auf diese Weise wird Carl nie auch nur einen Wagen verkaufen.
Spätestens in einem halben Jahr sind wir pleite. Aber was kann ich
tun? Mann müsste den Wagen bekannt machen! Durch eine aufsehenerregende
Fahrt. Nach Pforzheim. Ja, ich könnte nach Pforzheim fahren. Das müsste
zu schaffen sein. Dann kann jeder sehen, was der Wagen meines Mannes in
der Lage ist zu leisten. Aber wissen braucht Carl es nicht, sonst hat er
womöglich Bedenken. Am besten nehme ich die Kinder mit, so können
die Menschen gleich sehen, wie ungefährlich der Wagen ist. Schon einmal
habe ich Carl vor dem Ruin bewahrt, ... usw.
Bertha Benz unternimmt die erste Langstreckenfahrt mit einem Auto von Mannheim
nach Pforzheim, 106 km - Das war der Durchbruch!
Was wäre aus Benz ohne seine resolute Frau Bertha geworden?
AM
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Titel
: Das Jahr der Rosen
Autor : Bernhard Ganter
Verlag : Lerato-Verlag
ISBN : 3-938882-24-7
978-3-938882-24-5
"Zeitlebens hatte
er eine schützende Hülle um sich aufgebaut, ein Geflecht
aus selbstgestrickten Grundsätzen, Lebensregeln - in dieser Umhüllung
hatte er sich stets vor der profanen Welt sicher gefühlt." Florian
Becker, ein zutiefst unsicherer Mensch und (oder darum?) selbstgerecht und
zum Kotzen spießig, dessen langweiliges kleines Leben vollkommen aus
der Bahn geworfen wird, als er von der Vergewaltigung seiner Frau Miriam
erfährt. Seine Fantasien darüber, wie es wohl war, wie er den
Unhold suchen und zur Strecke bringen wird, resultieren in ausgewachsener
Paranoia. Er kann weder mit Miriam - eine Person die seltsam blass bleibt
- noch mit irgendjemand sonst darüber reden. Lediglich bei seinen Rosen,
die er in einem Wintergarten
züchtet, fühlt er sich verstanden. Ihnen gegenüber kann er
sich öffnen und auch seine Wut herauslassen. Die fortschreitende seelische
Erosion und Besessenheit steigert sich zum "wahnsinnigen" Finale.
Die dornigen Rosenstöcke haben in diesem Buch eine ganz eigene metaphysische
Bedeutung. Der Epilog des Autors lässt frösteln -
Auszug: " ... ein Spiel wollte ich mit ihm spielen, als er in mein
Leben getreten war.
Das Spiel ist mir entglitten. Was hat mich dazu veranlasst, ihm das anzutun?
Ich denke an ihn und ich suche mich in ihm. Und wenn ich ihn in der Psychiatrie
besuche, bringe ich ihm Rosen mit, Erotika-Rosen, die Miriam so liebte.
Doch Florian Becker ist nicht mehr ansprechbar. Warum nur nahm ich ihm seine
kleine, heile Welt, seine kleinen Träume von einem glücklichen
Leben mit Miriam? Ich werde Florian Becker nie vergessen, auch wenn seine
Geschichte längst zu Ende geschrieben ist." ...
Wer von positiven Helden genug hat, findet hier ein Buch der ganz anderen
Art.
AK
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Teddy
Matthau
12 Merkwürdige Geschichten
www.lieraturdepot.eu
114 Seiten; 14.90
Manchmal sind Klappentexte
durch den Inhalt eines Buches nicht zu überbieten. So heißt es
über obiges Werk:
So merkwürdig wie sein Autor sind auch die 12 Kurzgeschichten in diesem
Buch:
Man weiß nie genau, ob die Geschichten einen tieferen Sinn haben,
ob sie vielleicht sogar so oder so ähnlich statt gefunden haben. Wahrscheinlich
will der Autor uns damit etwas sagen, aber was?
Was auch immer: Das Literaturdepot bietet eine Fülle von originellen und auch gut gemachten bis gut lesbaren Büchern, also schnell mal anklicken.
W.v.H.
Ganters Gedichte spiegeln
zum kleinen Teil seine eigene, relativ heile, und zum
größeren Teil, unsere ziemlich unheile Welt wider.
Momentaufnahmen wie mit einer Polaroid Kamera, deren Bilder auch irgendwann
verblassen und dann ganz verschwinden. Die Endlichkeit allen Seins und Tuns
ist
der rote Faden, der sich durch seine Texte zieht, mildert er manchmal mit
Ironie und
einem Augenzwinkern:
National
Dalmatiner, Afghanen
und Pekinesen raus!
Deutschland den deutschen Schäferhunden,
kläfft Hasso, vor dem Tierheim.
Da kann man mitzwinkern
oder drüber streiten. In den anderen Text taucht ansatzweise
der erhobene Zeigefinger auf, vielleicht legitim für die Generation
der im 2ten Weltkrieg
geborenen Dichter.
Wieder andere Texte sind einfach nur schön lakonisch:
"Manchmal trinke ich
mein Leben,
wie eine Flasche Bier,
die schal vor mir steht."
Sicher nur ein kurzer
depressiver Augenblick, denn wie ich den Optimisten Bernhard
kenne, ist er dann schnellstens zur nächsten Tränke, um sich ein
frisches Weißbier einzuverleiben.
Und damit sieht das Leben für einige Momente wieder freundlicher aus.
WGF
Titel
: Horst Köhlers Deutsche Balladen
Von Matthias Claudius bis Wolf Biermann
Verlag : Insel Verlag
ISBN : 978-3-458-17343-4
Wer als Kind Theodor
Fontanes "Archibald Douglas", "Die Brück`am Thay",
Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland, Ludwig Uhlands "Schwäbische
Kunde", natürlich Schillers "Taucher", "Die Kraniche
des Ibykus", Goethes
"Erlkönig", "Der Zauberlehrling" - und viele andere
mehr gelesen, gehört,
sogar auswendig gelernt hat, wird sie nie vergessen. Sie beflügelten
die
Fantasie, erzeugten Gänsehaut, ließen schmunzeln, waren manchmal
sogar
lehrreich. Vom Insel Verlag wieder aufgelegt, ergänzt durch zeitgenössische
Autoren und mit wunderschönen zarten Aquarellen, frechen und witzigen
Grafiken
von Horst Köhler versehen, ist dieses Buch literarisch und ästhetisch
ein Schatz.
Schenken Sie mal wieder ein Buch, dieses könnte ein Hit werden.
AM
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Titel
: Grafeneck
Autor : Rainer Gross
Verlag : Pendragon
ISBN : 978-3-86532-063-6
Sture Hinterwäldler
auf der Schwäbischen Alb, die es so in den neunziger Jahren
auch im abgelegensten Dorf nicht mehr gab. Die Hauptperson ist ein etwa
sechzig
Jahre alter Lehrer, der in einer Höhle eine mumifizierte Leiche findet
und herausfinden will, ob es Verbindungen zu seinem verstorbenen Vater und
seiner
im Dritten Reich ermordeten behinderten Schwester gibt.
Es soll um Recht und Unrecht, Schuld und Erbarmen und gehen, und natürlich
darf
Betroffenheit nicht fehlen; über die Juden, über die Behinderten,
über die Eltern, sich selbst. Eben, besoffen vor Betroffenheit (hebt
die Verkaufszahlen!?) Alles bleibt vage, Nichts wird präzise herausgearbeitet.
Der Gipfel der Peinlichkeit ist das religiöse Geschwafel zum Ende des
Buches und der grauenhafte Schreibstil, der vor inhaltlichen, stilistischen
und grammatikalischen Fehlern nur so strotzt. Man fragt sich, welche Lektorin,
oder welcher Lektor hier geschlafen hat?
(Ein paar Beispiele: S. 53 "Er hat schlecht geschlafen, obwohl er einen
ruhigen
Schlaf hat, seit er älter ist"). Na dann, gute Nacht!
(S 184 "Aber es ist nicht meine Sache, auf dem seine Gesundheit aufzupassen".)
Dies sagt ein Lehrer! Der Dativ ist eben doch dem Genitiv sein Tod.
AM
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Titel:
Bevor der Morgen graut
Autor Viktor Arnar Ingólfsson
Verlag BLT Verlagsgruppe Lübbe
ISBN 13:978-3-404-92215-4
"Was ist der Unterschied
eines Jägers der Graugänse schießt, die er nicht einmal
isst und dem, der Menschen jagt"?
Jeder Mann auf Island scheint Waffen zu besitzen; man geht auf die Jagd
auf Graugänse auf dem "Morgenstrich". Um sie anzulocken,
werden Gänseattrappen
in der Landschaft aufgestellt und dann legt man sich auf die Lauer.
Plötzlich kehrt sich die Situation um und die Jäger werden erschossen.
Ist es ein Tierfreund, ein Verrückter? Die beiden Kriminalpolizisten,
Gunnar ein verfressener Riese, und Birkin Li, der asketische ruhige Isländer
vietnamesischer Herkunft ermitteln. Gemächlicher Spannungsaufbau, der
sich steigert. Ungewöhnliche und letztendlich auch wiederum banale
Verbindungen zwischen den agierenden Personen münden in ein furioses
Finale. Isländische Eigenheiten könnten amüsant oder auch
lehrreich sein wie die, dass man trotz Rauchverbot während der Arbeit
rauchen darf, wenn ein renommierter Psychiater ein entsprechendes Attest
ausstellt, oder die Form der Familiennamensgebung, wonach bei den männlichen
Nachkommen dem Vornamen des Vaters ein "son" angehängt wird
- also im Falle des Autors" Ingólfsson" = Sohn des Ingolf,
oder bei weiblichen Nachkommen an den Namen der Mutter das "dottir"
(Tochter). Im Übrigen verwendet niemand die Familiennamen, sondern
alle reden sich mit Vornamen und Du an.
AK
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Titel
Ausgebrannt
Autor Andreas Eschbach
Verlag Gustav Lübbe
ISBN 978-3-7857-2274-9
Fesselnder Roman auf diversen Ebenen: Gegenwart, Vergangenheit, USA,
Deutschland, Saudi-Arabien.
- Karriereträume des Deutschen Markus Westermann in den USA, der mit
OPI
(other people`s ideas) und OPM (other people`s money) das ganz grosse Rad
schlagen will, was sich zunächst auch gut anlässt, bis die US
Geheimdienste Wind
davon bekommen, dass er und sein Partner mit einer unbekannten Theorie Erdöl
finden könnten und er daraufhin in einen fast tödlichen Unfall
verwickelt wird.
- Seine Schwester Dorothea und ihre Familie in Deutschland, deren Traum
von
von Luxusvilla und dicken Autos sich in einen Albtraum verwandelt.
- Die schöne gerissene Chinesin, die Westermann fast um den Verstand
bringt
und die in Wahrheit für ihren Vater, den grossen chinesischen Tycoon
spioniert.
- Das saudische Königshaus, korrupt, abhängig und gesteuert von
US-Interessen,
die ihr größtes Ölfeld "Ghawar" buchstäblich
in den Sand setzen. Um es der
Welt und vorrangig den USA gegenüber nicht zuzugeben, setzen sie ihren
eigenen
Ölverladehafen Ras Tanura inklusive aller Vorratstanks in Brand. Die
Tat soll
Terroristen untergejubelt werden, was wiederum die US-Regierung in ihrer
grenzenlosen Borniertheit glaubt bzw. glauben will und das Land militärisch
besetzt, womit
wiederum die Araber nicht gerechnet hatten und was entsprechende Reaktionen
auslöst.
Die Situation eskaliert weltweit dahingehend, dass die weltweite Ölförderung
schlagartig zum
Erliegen kommt. Ganze Industrien brechen zusammen, Datennetze kollabieren,
Benzinpreise steigen auf über 5 $ und irgendwann gibt es gar keins
mehr.
Besonderes betroffen sind die USA, die ohne Treibstoff zusammenbrechen,
deren Infrastruktur desolat ist und deren Wirtschaftskraft auf Pump basierte.
Innerhalb kürzester Zeit herrschen anarchische Zustände. Jetzt
rächt sich die fortgeschrittene
Verblödung der Amerikaner. Zitat :
"Er erklärte Markus, warum dieses Land vor die Hunde geht. Weil
wir allesamt ein Haufen Dummköpfe sind, darum. Ich rede nicht mal davon,
dass Sie ein Studium abschließen können, ohne eine Fremdsprache
lernen zu müssen. Das ist bloß peinlich, aber ich schätze,
wir können uns das leisten. Nein, ich rede erst mal einfach nur vom
Lesen. Über vierzig Millionen Amerikaner sind praktisch Analphabeten.
Und die, die`s nicht sind, bringen im Jahr keine hundert Stunden damit zu,
Bücher zu lesen, hocken aber fast zweitausend Stunden vor der Glotze,
in der nur Müll kommt, Schwachsinn, absoluter Bockmist. Auf die Weise
werden hirnlose Zombies gezüchtet. Ich meine, schauen Sie sich doch
einfach um. Schon vor Jahren ist in Kalifornien ständig das Stromnetz
zusammengebrochen und in New York die Trinkwasserversorgung, und das war
zu Zeiten als alles andere noch lief. Und was hat man gemacht? Nichts. Zitat
Ende
Politische Zusammenhänge, geologische Parameter und last but not least
der menschliche Faktor werden grandios miteinander verwoben, dazu ausgezeichnet
geschrieben. Man freut sich schon auf Andreas Eschbachs nächstes Buch!
AM
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Menü
Titel
: Sind Sie die Tochter Speer?
Autorin: Margret Nissen
Verlag: Bastei Lübbe
ISBN 978-3-404-61605-3
Albert Speer dürfte
hinreichend bekannt sein. Aber wer ist Margret Nissen? Sie wurde als viertes
von sechs Kindern am 19. Juni 1938 als Margret Speer geboren. Sie schreibt
über Ihr Leben und ihre Sicht auf ihren Vater. Da dieser während
der Kindheit und Jugend meist abwesend war, konnte die Mutter mit den 6
Kindern einen unkonventionellen Lebensstil pflegen. Alle bekamen eine gute
Ausbildung. Geld wurde der Mutter stets nach Antrag von einem Ministerium
in Stuttgart aus dem Vermögen gezahlt und Geld floß auch aus
einem Unterstützerkonto.
Während Speers Haft in Spandau stand die Familie mit ihm in ständigem
Briefwechsel. Margret Nissen lernte Ihren Vater erst mit 15 Jahren kennen.
Frau Nissen widerspricht sich, indem sie behauptet, sich selbst nicht an
Hitler zu erinnern, obwohl sie sich an das Fotografiertwerden auf dem Berghof
an Hitlers Geburtstag doch erinnert. Auf einem Foto am 20. April 1943 ist
Margret Speer in der ersten Reihe sitzend zu Füssen Hitlers zu sehen.
Nach Abitur, USA-Aufenthalt, Studium der Anglistik, Alte Geschichte und
Klassische Archäologie heiratete sie am 14. April 1962 Hans Nissen
und bekam insgesamt 4 Kinder.
Ihr Leben verlief unspektakulär. Ein Highlight des Buches sind immerhin
ihre Impressionen vom Leben in Bagdad. Hans Nissen arbeitete hier Anfang
der sechziger Jahren als Archäologe. Dass der Vater ein Kriegsverbrecher
war, verarbeiteten die Kinder und auch Frau Speer jeder auf seine Weise,
als aber der Vater sich ein jüngere Freundin nahm, war Schluss mit
Lustig. Frau Nissen hat für sich die Fotografie entdeckt und das ist
gut so.
Es wäre besser gewesen, sie hätte einen Fotoband präsentiert,
anstatt dem Leser Bekanntes und Uninteressantes zuzumuten.
HL
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Titel
: Eva go home
Autorin : Désirée Nick
Verlag : Fischer Taschenbuch
ISBN : 978-3-596-17669-4
Man spürt förmlich
die kalte Wut und die Verachtung mit der Désirée Nick den
gequirlten Schwachsinn der Eva Herman zu Kleinholz zerhackt, diese unsägliche
Eva Suada zwischen Steinzeitkeule und Mutterkreuz!
Laut Frau Eva sind, Zitat "Heim, Herd und Kinder das Terrain der Frau,
welche von hier segensreich! dem Mann den Rücken stärken soll."
Die Ideologie eines Frauengefängnisses, nämlich des Harems wird
als paradiesischer Zustand geschildert. Die dümmlichen Phrasen der
selbst ernannten Hobbysoziologin E.H. werden von der Autorin mittels ordentlicher
Recherche Punkt für Punkt widerlegt.
Selbstbewusst, als eine von 2.2 Millionen Alleinerziehenden in Deutschland
(laut E.H.
alle latent suizidgefährdet) steht die Autorin ihre Frau, eben wie
Millionen andere emanzipierten Frauen auch, ob mit- oder ohne Partner. Frauen,
gebildet, organisiert,
denen ihr Beruf Spaß macht und deren Kinder stolz auf ihre berufstätigen
Mütter sind
und, Frau Eva wird sich noch wundern, sind dies Frauen, für die Männer
ihre Heimchen am Herd verlassen. Der rotzfreche Stil entspricht dem Thema
und dem Temperament der Autorin.
AM
Titel
: Der geheime Orden
Autor : Ian Smith
Verlag : Luebbe
ISBN : 13:978-3-404-15588-0
10:3-404-15588-2
Die legendäre Harvard
Universität in Cambridge Massachusetts ist der Schauplatz dieses Thrillers.
Eingeschriebene Millionärssöhne qua Berufung und Spencer Collins,
ein schwarzer Student aus Chicago, der seltsamerweise von dem geheimnisumwitterten
hoch angesehenen Delphic Orden umworben wird und sein
Studienfreund Dalton Winthorp geraten durch geheimnisvolle mittelalterliche
Texte, die in ihre Hände gelangen, in eine Menge Schwierigkeiten. Die
beiden forschen sich durch die Bibliotheken von Harvard, graben die Urne
eines ermordeten? Kommilitonen aus, die ebenfalls mit einem rätselhaften
Text versehen ist.
Spannung löst sich ab mit langatmigen und detaillierten unnötigen
Beschreibungen und was den Orden betrifft mit kindischen Initiationsriten.
Da fragt man sich doch,
"Was soll das Alles?" Das Ergebnis ist spannend, was eher was
mit der literarischen
Qualität des Autors zu tun hat; schreiben kann er.
Es grenzt allerdings an Lesemasochismus, ein solches 669 Seiten Werk zu
lesen. Der Autor hätte sich viele Längen sparen können, um
endlich zur Sache zu kommen.
Viele speziell amerikanische Eigenarten werden europäische Leser wenig
interessieren und davon wimmelt das Buch.
Wer wissen möchte, wie das Studenten Leben an einer Elite-Universität
wie Harvard abläuft, findet jedoch gute Informationen.
AK
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Titel : Die Katze, die Bananen stahl
Autorin : Lilian Jackson Braun
Verlag : Bastei Luebbe
ISBN : 13:978-3-404-15619-1
Wer eines der bisher
25 Katzenbücher der Autorin gelesen hat, kennt sie Alle.
Wieder das rege Örtchen Pickax (USA), Jim Quilleran der Kolumnist des
Käseblättchens und seine Apfelscheune, die zwei Katzen Koko und
Yum Yum,
die ausführliche Beschreibung der Einrichtuing, der Örtlichkeiten,
der Bekannten und Freunde = Alles "same procedure as every book."
Ein mal macht es Spass, das zweite mal schon weniger, ab Nr. 3 irritiert
und danach nervt es.
Wer es aber schätzt, jedes Jahr bei Tante Inge in Nesselwang Urlaub
zu machen,
der wird auch diese déjà-vues goutieren.
AM
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Yeah
Yeah Yeah
50 Jahre Pop & Rock
Autor: Laabs Kowalski
Verlag: Tacitus
ISBN- 10:3-03744-000-7
13:978-3-03744-000-1
Jahrelang hatte man
ein schlechtes Gewissen, weil man die Ansicht vertrat, dass
der größte Teil der Pop-Rock- und sonstiger Unterhaltungsmusik
Schwachsinn,
Verblödung und Hörfolter seien. Immer wieder wurde einem von "Kennern"
und auf
lustig getrimmten Radio- und TV Moderatoren eingebimmst, dass Unterhaltung
sein muss und was sein muss auch gut sei und dass alle, die das anders sehen,
Spielverderber sind.
Endlich schreibt jemand Tacheles. Die Grenzdebilen der Musikbranche werden
Von Laabs Kowalski gnadenlos satirisch auf die Schippe genommen von
A wie Abba bis Z wie Zander. Kowalski beweist fundierte Kenntnis der Branche,
Jaaa Laabs, hau drauf und gib den Lachmuskeln Futter!
Teilzitat:
"Ein Beispiel der Megaverbödung sind die "Silver Convention"
- eine Girl Group, die von Sylvester Levay und Michael Kunze deshalb zusammengestellt
wurde, weil keines der Mädel allein auch nur in der Lage gewesen wäre,
den aufrechten Gang zu erlernen. Also wurden sie aneinandergelehnt, damit
sie nicht umfallen konnten, und dann erst die Mikro-Attrappe vor ihnen platziert.
Die Silver Convention, zu der zeitweilig auch Penny McLean (bürgerl.
Gertrude Wirschinger) gehörte, hatten einen Song mit einem sehr komplexen
Text, der sich Fly, Robin, Fly schimpfte. Komplex deshalb, weil die Mädchen
neben der namensgebenden Titelzeile noch eine zweite Zeile können mussten:
Up, up to the sky. Und zack! Das war er, der komplette Text dieses Songs."
Andere Ansichten des Autors müssen nicht unbedingt geteilt werden wie
die über Bob Dylan. Einige Texte von Dylan sind gut. Dass er weder
singen, noch Gitarre und/oder Mundharmonika spielen kann, ist unbestritten;
es scheint, als wenn diese Mischung aus Text und Unvollkommenheit das Dylan
Faszinosum ausmacht.
Dass er als Mensch ein Vollidiot ist, der u.a. mal "thank God, he`s
back from Jesus" (Zitat Joan Baez) ist und z. Zt. wieder voll "with
Jesus" ist, ist auch unbestritten.
Kowalskis subjektive augenzwinkernde Sicht ist für Alle geeignet, die
ihre Kenntnisse der Pop Historie vertiefen, oder ihre Vorurteile aufs Feinste
bestätigt haben möchten.
AM
zum
Menü
Die Stirn,
Die wir
Dem Leben
Bieten
Jahrbuch für Literatur 12
ISBN 10-386099-524-3
Herausgegeben von Sigfrid Gauch, Verena Mahlow, Alexander Wasner
Eine Bestandsaufnahme des Brandes & Apsel- Verlag von Kurzprosa, Erzählungen,
Lyrik, Essays, Interviews.
Negativ:
Interviews in Illustrierten zu lesen sind schon eine Strafarbeit, aber in
einem Buch nur vergeudete Seiten. Sorry Herr Mueller-Stahl, sorry Herausgeber.
Die abgedruckte Laudatio interessiert sicher nur Wenige, wenn überhaupt.
Ausschnitte aus Romanen oder Erzählungen mögen ganz amüsant
sein und Lust auf den ganzen Roman machen und das ist auch schon der einzige
Anspruch und auf die Dauer ermüdend.
Vielen sind bestimmt noch die Kirchgänge mit den Eltern in mehr oder
weniger guter Erinnerung. Sie mussten
den langen uninteressanten Predigten zuzuhören. Im Jahrbuch kann man
aber in Ruhe die Predigten von Franz Hunold nachlesen und die Seiten vor
Wut rausreißen oder ganz einfach ignorieren.
Positiv:
Die Lyrik-Fans kommen in diesem Jahrbuch ganz auf ihre Kosten. Eine wahre
Fundgrube.
Köstlich sind die Kurzgeschichten. Die Storys stellen die Zeit als
Wunde dar und die heilt nicht und die Geschichten sollen und wollen nicht
heilen.
Die Aufzeichnungen zu Paul Deussen sind wunderbare philosophische Betrachtungen
für Eilige. Einfach gut zu lesen.
Wer noch nicht genug hat, sollte Lothar Schöne`s "Das Schreibseminar"
besuchen oder sich doch lieber gleich zu einem Whisky-Seminar anmelden.
Auch ein witziger Beitrag im insgesamt gelungenen Sammelsurium.
Heidi Lenz
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Eric T. Hansen
Planet Germany
Eine Expedition in die Heimat des Hawaiitoasts
Fischer Taschenbuch Verlag
ISBN -10: 3-596-17324-8
Euro 12,95
Wer in der Schule im Geschichtsunterricht nicht aufgepasst hat, kann im Buch von dem in Deutschland lebenden amerikanischen Journalisten Eric T. Hansen deutsche Geschichte mit provozierenden Worten als Geschichtsunterricht-Quicki nachlesen.
Ein Ami-Nichthistoriker
klärt die deutsche Nation auf und nörgelt über deutsche Verhaltensweisen.
Was machen wir jetzt mit dem Wissen, daß wir Deutschen alle amerikanisiert
sind?
Die Nachkriegskinder verdanken den Amis all die gute amerikanische Musik,
die sie durch die miefigen Fünfziger gebracht hat, klärt uns der
Autor auf. Dank an die USA.
Wir Deutsche sind eben ganz schlau, wir entdeckten, dass andere Länder
das haben, was wir nicht haben und haben dies abgeguckt und Eric T. Hansen
hat es auch herausgefunden.
Über das Goetheundschillertum läßt uns der Autor als Leser
endlich aus amerikanischer Sicht ein Bild über unsere Dichter machen
und wir erfahren weiterhin, daß im Ami-Land "Kultur Privatsache"
ist.
Eric T. Hansen führt unzählige Beispiele im Vergleich von Nordamerika
und Deutschland auf. Danke, danke. Auch werden wir aufgeklärt, dass
es auch bei uns eine "Tellerwäscher-Mentalität" gibt.
Was machen wir jetzt mit all unserem Wissen über uns Deutsche und Deutschland.
Wer noch nie mit der Schulklasse nach Rüdesheim fahren musste, wird
in diesem Buch über Rüdesheim aufgeklärt. Sie sparen sich
die Reise jetzt dorthin und können sich eine richtiges Heimatgeschichtsbuch
dafür kaufen.
Wir Deutschen sind stolz auf unseren VW, was meisten das erste Auto eines
Jung-Deutschen war. Aber warum sollten wir Deutschen über unseren VW
einen lustigen Film drehen, dafür haben wir doch die Amis.
Am Schluß des Buches kann man auch noch hawaiianische Vokabeln für
den Urlaub lernen und über 34 hawaiianische Worte für den Wind
als importierte Spiritualität meditieren.
Lesen Sie dieses Buch
Und bereiten sich dann ganz nostalgisch einen Hawaiitoast zu und beim Essen
desselben seien Sie stolz auf sich ein Deutscher zu sein und überlegen
Sie sich dann noch genau, wie Sie sich zu einem Elite-Nörgel weiterentwickeln
können.
H.L-S
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Titel: Jedermann
Autor: Philip Roth
Verlag: Hanser
Übersetzer: Werner Schmitz
ISBN: -10:3-446-20803-8
-13:978-3-446-20803-2
Es geht um das Sein
und das Nicht- Sein, um die Gedanken eines alt gewordenen Mannes, der die
Höhen und Tiefen seines Lebens reflektiert und der das Nichts und die
Unmöglichkeit des Todes nicht akzeptieren kann.
Darüber ein ganzes Buch schreiben? Philip Roth kann es, unaufdringlich,
stoisch und präzise. Man möchte einzelne Passagen mehrfach lesen,
weil sie tief ins Fleisch schneiden.
" - die ziellosen Tage und die ungewissen Nächte und das ohnmächtige
Sich-
abfinden- Müssen mit dem körperlichen Verfall und der unheilbaren
Trauer und dem Warten, dem ewigen Warten auf nichts. So ist das also, dachte
er, das ist es, was du nicht wissen konntest."
A. Klusmeier
Titel
Zappas letzter Hit
Autor Frank Göhre
Verlag Pendragon
ISBN -13:978-3-86532-050-6
-10:-3-86532-050-3
Rasant geschriebener
deutscher Krimi, der die Verquickung von Politik und Kriminalität mit
Querverbindungen in die Milieus und in das Leben der vielen beteiligten
Personen zum Inhalt hat. Die Geschichte basiert auf wahren Ereignissen in
Hamburg zwischen den Jahren 1990 bis 2002. Die Protagonisten:
Zappa, der St.Pauli Hit-Man, der im Gefängnis seine Frau und sich erschießt,
ihre Tochter Julie, die den Vater rächen will. Gottschalk, der ehemalige
Ermittler
jetzt Wirt eines Nobelrestaurants, der mit Julie zu tun hat, Broszinski,
der seine erste große Liebe nicht vergessen kann, der unerträglich
eitle und dämliche Innensenator Wilm Henning, der eine Menge Dreck
am Stecken hat - im Übrigen ein Dauerfurzer - und viele andere, sowie
die jungen und älteren Frauen, die mit allen irgendwie liiert waren
oder sind. Zappas Wissen führt zu seinem letzten Hit und damit zu den
wahren Tätern des Verbrechens. Das Ganze spannend, ironisch, witzig.
Hier eine Stilprobe: Zitat:
"Er hatte eine Blitzkarriere hingelegt. Jurastudium, Medienrecht. Sozius
einer alt eingesessenen Kanzlei. Parteiengagement. Ein paar spektakuläre
TV-Auftritte:
Sozialdemokratischer Filz. Lasche Justiz. High sein und frei sein? Falsch
verstandene Toleranz. Recht stärken, nicht beugen. Scharfzüngige
und auch witzige Diskussionsbeiträge, immer voll aus dem Leben gegriffen:
Nennen wir es beim Namen! Ich sage Schmarotzer! Schließlich Kandidatur.
Spitzenlistenplatz, jawoll!
Kleine Männer habens drauf, kleine Männer bringen es!
Man spottete, er könne aufrecht in seinen Dienst-BMW steigen. Ein Danny
de Vito aus tiefster Provinz. Sein Kopf sei ein Kürbis vom flachen
Land. Harte Schale, innen Matsch."
Zitat Ende.
Na? klingelt es?
Antje Meinhold
Kalender für Krimileser
Daedalus Verlag; 160 Seiten; 9;80 €
ISBN 3-89126-207
Wer mit einem literarischen
Kalender durch das Jahr geht, ist mit
Sicherheit nicht ganz so hektisch wie die Kollegen mit ihren tragbaren Datenbanken.
Der Art in Crime Kalender für 2007 enthält neben den üblichen
Kalendereintragungsmöglichkeiten, u. a. Stories von Edgar Allen Poe,
Monika Glaser, Rezensionen, Gedankensplitter und nützliche Hinweise
für Krimifans. Statistisch gesehen, sterben Hektiker früher als
Leser, also nehme man sich Zeit für die Lektüre von alten und
neuen Morden. Und wer einen Termin versäumt, hat dann immerhin die
Ausrede: Ich war als Zeuge in einen Kriminalfall verwickelt.
W.G. Fienhold
Jens
Rosteck
Bob Dylan
Suhrkamp BasisBiographie
Suhrkamp Verlag; 160 Seiten
ISBN 3-518-18218-8
Das Gegenteil des Gegenteils des Gegenteils
Ein kleiner, dünner
Mann dem das ganze Elend dieser Welt ins Gesicht geschrieben steht,
hat mit Sicherheit auch noch eine Suhrkamp Bio verdient.
Wo Louis Armstrong grüne Bäume sah, sah er den atomaren Regen.
Und im Gegensatz zu dem Positivdenker, hat er etliche gute Songs geschrieben,
solche, die
ihn seit Jahren für den Literaturnobelpreis ins Gerede bringen. Er
hätte ihn sicher eher verdient als alle anderen seit (inklusive) Grass.
Natürlich hat er auch jede Menge Bullshit von sich gegeben, mündlich
und schriftlich.
Selbst Jesus "was in his brain", für einige Zeit; später
und auch früher wusste er, dass Gott
nur eine Produktion mehr oder weniger kranker Gehirne ist.
Pseudoironisch dankte vor vielen Jahren Joan Baez:
"Thank God, Bobby is back from Jesus."
Die Kritiker, die Psychologen etc. meinen seit anno Met, dass Genie und
Wahnsinn, die zwei Seiten einer Medaille seien, dass Widersprüche zu
einer komplexen Persönlichkeit gehören.
Stimmt fast immer und trifft auf die meisten zu.
Ich weiß noch wie beleidigt er war, als wir ihm sagten, seine Texte
seien besser als die von Donovan, aber der könne besser Gitarre spielen,
von der Stimme ganz zu schweigen . Richtig sauer wurde er aber erst als
die Kamera nicht mehr lief.
Ich habe die BasisBiographie nur quer gelesen und ich werde auch auf absehbare
Zeit nicht mehr tun, aber ich rate zum Kauf. Die Daten und Fakten werden
wohl stimmen und darauf kommt es bei einem solchen Büchlein an. Wenn
nicht, auch kein Beinbruch, Dylan liebt ja angeblich das Chaos..
PS Den Backcovertext habe ich allerdings gelesen:
Bullshit
Einen Satz hätte ich mir gewüscht, in etwa diesen:
Dylan ist ein veritables Arschloch Trotzdem brachte er etliche gute Texte
zustande.
W.v.Henschelsberg
Jürgen Roth
Der Deutschland Clan
Das skrupellose Netzwerk aus Politikern, Top - Managern
und Justiz
Eichborn Verlag; 256 Seiten
ISBN 10:3-8218-5613-0
Einblicke in eine korrupte Republik
Sicher, Korruption ist so alt wie der homo sapiens und auch in Deutschland
gibt es sie nicht erst seit gestern. Aber in Deutschland glaubte man länger
als anderswo an die Unabhängigkeit von Legislative,Judikative und Executive,
die zwar verwoben, doch durch bürokratische Schranken auch irgendwie
getrennt waren. Inzwischen hat es dieses Land auf Platz 17 der korruptesten
Länder der Welt gebracht, mit der Tendenz nach oben. Und immer noch
gilt auch das alte Prinzip, die Kleinen zu hängen und die Großen
laufen zu lassen. Ein kleiner Beamter verliert seine Pension weil er für
2000 € Geschenke angenommen, ein Staatssekretär dagegen kann fast
ungestraft Millionen auf die Seite legen und bestraft werden nur die Staatsanwälte
die dummerweise noch glauben das Gesetz vertreten zu müssen, Ja, Korruption
gab es immer, nur die Dimensionen werden größer und größer
und die Netze werden dichter.
Die politischen (eher Marionetten) und wirtschaftlichen (eher Drahtzieher)
Großkopferten schrecken vor fast nichts mehr zurück. Die Grenzen
zu einer x-beliebigen Bananenrepublik
oder zur Mafia gibt es kaum mehr.
Roth zeigt dies an Hand von vielen Beispielen und nennt Namen. Es sollte
Pflichtlektüre für alle Einsteiger in den Staatsdienst, nur ob
die das richtige daraus lernen, darf bezweifelt werden.
W.G.Fienhold
Klaus
Schmeh
Planeten und Propheten
Ein kritischer Blick auf Astrologie und Wahrsagerei
Alibri Verlag; 170 Seiten
ISBN 3-86569-008-4
Das Kreuz mit den Statistiken
Ein aufgeklärter
oder klar denkender Mensch kann das Thema von Schmehs Buch mit einem Wort
abtun: Humbug.
Interessant ist aber wie Schmeh die angeblichen Beweise für astrologische
Zusammenhänge durch "seriöse" Statistiker bis hin zum
Astro-Dilettanten Gunter Sachs zerpflückt.
Dass von den Prophezeiungen der Weltuntergangssekte "Zeugen Jehovas"
nichts zu halten war, dürfte sich außerhalb ihrer Kreise herumgesprochen
haben.
Wahrsager hatten in der Regel immer nur hinterher Recht und die kriminalistisch
tätigen Hellseher tappten im gleichen Dunkel wie die Polizei.
Die Prophezeiungen der Bibel sind nicht besser als die des Nostradamus und
ihr Wahrheitsgehalt auch nicht größer als der von Grimms Märchen.
Mag eben dran glauben wer will und blind genug für wissenschaftliche
Erkenntnisse ist.
Wenn sich irgendwann mal die Erkenntnis durchsetzen sollte, dass jeder Glaube nicht besser als Aberglaube ist, wäre die Welt in Ordnung, aber das glaubt nicht mal
W.G. Fienhold
Werner Bartens
Das neue Lexikon der Medizin-Irrtümer
Noch mehr Vorurteile, Halbwahrheiten, fragwürdige Behandlungen ungenießbar.
Eichborn Verlag; 270 Seiten
ISBN 3-8218-5635-1
Grüner Tee und sture Ärzte
Na schön, das erste
Lexikon der medizinischen Irrtümer kam bei der Kritik besser an, aber
das liegt weniger an dem nach wie vor guten Autoren, eher an dem neuen konservativen
Gesundheitswahn und den damit verbundenen Dogmen, die inzwischen von Spiegel-
Stern- und anderen Lifestyle-Redakteuren vehement vertreten werden.
Ich wage die Spekulation, dass diese Schreiber ihre Gehirnzellen bei dem
Versuch einen Sex-Pack-Bauch zu bekommen mit verbrannt haben.
Bartens ist natürlich auch nur Mediziner und weiß wie oft die
Geschichte der Heilkunden umgeschrieben wurde und auch in Zukunft immer
weiter neu geschrieben werden muss, der Mensch hat die Möglichkeit
sich an die von ihm selbst verursachten Umweltveränderungen anzupassen.
Und wer dran glaubt, dass grüner Tee supergesund ist, kann ebenso an
die grünen Männchen vom Mars glauben, schaden wird es kaum.
Auch dass es schwieriger ist die althergebrachten
Meinungen von Schulmedizinern zu ändern als einen Esel zum Galopp zu
bringen, ist fast jedem klar.
Das Lexikon liest sich angenehm leicht und niemand wird genötigt alles
zu glauben
Übrigens kenne ich etliche 100 jährige Raucher, Steakesser und
2-3Liter Bier/Weintrinker,
aber nicht einen einzigen abstinenten, nichtrauchenden Vegetarier, nicht
einmal 85 Jährigen.
Lustfeindlichkeit hat eben auch etwas mit Lebensfeindlichkeit zu tun.
Mein Fazit 1: Das Geschwafel über die Schädlichkeit des Rauchens
kann kränker machen als das Rauchen selbst, unsichere Leute zumindest.
Fazit 2: Alles was als gesund angepriesen wird, muss nicht unbedingt gesund
sein. Oder, um einen Fernsehprediger zu zitieren: Die Bibel ist Medizin
für die Seele
Stimmt, für geistig Gesunde ergo ungenießbar. Und das gilt für
Arzneien ebenso.
Fazit 3: Wer Krankenhäuser und Ärtze so lange wie möglich
meidet, hat die besten Chancen gesund alt zu werden.
W. "Cheers"
Henschelsberg
Herz Dame
Autor Alexis Lecaye
Verlag BLT Verlagsgruppe Lübbe
ISBN -13:978-3-404-92218-2
-10:3-404-92218-5
Ein französischer
Kriminalroman, der im wahrsten Wortsinn sowohl als Krimi und auch als Roman
bezeichnet werden kann.
Zum Krimi: eine rational denkende Bestie, die Frauen hasst, quält und
tötet, wird von Kommissar Martin und seinem Team gejagt und dieser
wiederum plant penibel und erfolgreich seine Rachefeldzüge gegen die
Polizei. Ungeheuer packend und spannend von Anfang bis Ende.
Zum Roman : "la condition humaine" ist authentisch, flüssig
und manchmal verdammt komisch beschrieben, von der psychischen Verletztheit
und auch Robustheit von Martin bis zu seinen (Liebes) Verhältnissen.
Da ist einmal seine Ex-Frau Myriam, eine elegante erfolgreiche Geschäftsfrau
mit der er immer noch freundschaftliche und sexuelle Beziehungen pflegt,
dann die Freundin Marion, eine Reporterin, die viel im Ausland unterwegs
ist und für die er sich als zu alt sieht, die Polizeipsychologin Lorette,
die ihn knallhart vernascht - urkomisch.
Tochter Isabelle, von einem Idioten (lt.Martin) geschwängert, sucht
mentalen Schutz
bei ihrem Vater. Lecaye schreibt anschaulich über die Vergeblichkeit,
jemanden den man liebt wirklich zu kennen und zu verstehen und den Willen,
dies doch immer wieder zu versuchen. Endlich auch mal ein Autor, der über
Sex schreiben kann,
ohne daß es peinlich oder ordinär wirkt. Macht Spaß!
Man fragt sich, warum gute französische Autoren eine so seltene Spezies
bei deutschen Verlagen sind?
AM
Das falsche Spiel des Fischers
Autor Roberto Mistretta
Verlag Edition Lübbe
ISBN-10: 3-7857-1575-7
-13: 978-3-7857-1575-8
In Sizilien ermittelt Maresciallo Bonanno im Fall eines toten Fischers,
der auf einer Müllkippe gefunden wird. Dieser Bonanno ist permanent
mies gelaunt, da er abnehmen will und nicht kann und zu allem Überfluss
meint, sich das Rauchen abgewöhnen zu müssen, was auch nicht klappt.
Seine kleine Tochter, ein frecher Balg, tanzt ihm nach allen Regeln der
weiblichen Kunst auf der Nase herum im Zusammenwirken mit seiner lieben
Mama. Das ist alles schon langweilig genug. Als Kommissar und Mensch ist
Bonanno ein absolut humorloser Kotzbrocken, der jeden in seiner Umgebung
anranzt und nervt. Mühsam setzen sich die Puzzlestücke des Falles
zusammen und am Ende ist alles so gut! Nein, als Leser Camilleri verwöhnt,
enttäuscht dieser neue Italo Krimi maßlos. Wenn dann noch auf
dem Klappentext dieses Buch mit Camilleri Büchern gleichgesetzt wird,
dann ist das eine Beleidigung für Letzteren".
Schade, Draufhänger nehmen überhand!
AK
Der letzte Fado
Autor Francisco José Viegas
Verlag Verlagsgruppe
Lübbe
ISBN 13:978-3-404-92219-2 (ab 01..01.2007
10:978-3-404-92219-0
Der erste Satz ist der wichtigste, sagte Herr Reich-Ranicki. Hier sind der
erste und weitere Sätze nicht gerade mitreißend. Jedoch, wenn
man sich auf den Stil
des Autors einläßt, wird man die Gedanken des Inspektors Jaime
Ramos wie in einer Traumwelt miterleben und eine angenehme wache Mattigkeit
empfinden. Die "Aktionen" finden auf langen Strecken in den Köpfen
der beteiligten Personen statt; wir erleben die Gedanken ihrer tiefen Verbundenheit
mit den Landschaften, Flüssen, Inseln, dem Meer, ihren Liebsten, ihrer
eigenen Unzulänglichkeit, der Freundschaft und auch der Vergeblichkeit,
der Melancholie und des Schmerzes, jedoch, ohne in Selbstmitleid zu verfallen.
Die Sprache des Autors erinnert an Musik, an Adagio, Andante, Sostenuto,
nie Allegro und selten Scherzo, oder eben an den rätselhaften Fado,
diese portugiesische Musikform, die den Schmerz der vergeblichen Sehnsucht
ausdrückt.
Der rätselhafte Mord an einem früheren Kommunisten und Sohn eines
Ministers
führt nach Kuba, Mexiko und zurück nach Portugal und sorgt für
die notwendige Spannung.
AM
Nichts als Knochen
Autorin Felizitas Carmann
Verlag Bastei Lübbe
ISBN 3-404-15406-1
Ein Doppelmord in Köln, die katholische Kirche inklusive eines falschen
Mönches, die türkische Drogenmafia und als Aufhänger mal
wieder die ausgelutschte Theorie der Verschwörung innerhalb des Vatikans.
Primärreliquien von Jesus, also seine Knochen sollen in einem deutschen
Kloster liegen und gestohlen werden, da die "Wahrheit" ansonsten
den katholischen Glauben ins Wanken bringen könnten!? Die Himmelfahrt
müßte in Frage gestellt werden! Donnerschlag!
Nein, wer glaubt, wird so und so selig.
Diese abgekupferten und an den Haaren herbeigezogenen Verschwörungstheorien
langweilen nur noch. Das raubt Niemandem im Vatikan mehr den Schlaf.
Dan Brown kann es einfach besser!
AK
zum Menü
Dan
Turell
Mord in der Dämmerung
Bastei-Lübbe Verlag
6.95 €
ISBN 10 3-404-15479-7
Ich wiederhole mich
selten und meist ungern, aber für Dan Turell mache ich eine Ausnahme:
Wenn man mich nach den 10 besten Kriminalromanen des letzten Vierteljahrhunderts
fragt, nenne ich jetzt sieben Mal den Namen
Turell. Zuletzt legte der Lübbe - Verlag "Mord in der Dämmerung"
auf und auch hier stolpert der namenlose Journalist wieder über
Leichen. Wunderbar lakonisch erzählt und mit den gewohnten Seitenhieben
und Frontalschlägen angereichert, ist das 236 Seiten
lange Werk ein fast zu kurzes Vergnügen. Aber es kommt ja noch mehr
und hoffentlich bald. Da mach ich mir jedoch keine Gedanken.
Und egal was die Quatschköpfe vom "Stern" in ihre Krimi-Edition
und "Mrs. Inkompetenz " Elke Heidereich in ihre diversen
Empfehlungen hineinphilosophieren, ich empfehle aus Leselust Dan Turell
und der stellt treffend fest:
Philosophie hat noch nie jemand geholfen. Außer den Philosophen.
WF
Titel : Ein Elefant im Mückenland
Autor : Arto Paasilinna
Verlag : Edition Lübbe
ISBN : 10:3-7857-1577-3
13:3-7857-1577-2 (ab 1.1.2007)
Emilia, das Elefantenmädchen,
und Lucia Lacander, ihre Geburtshelferin und
Pflegerin, werden Opfer der EU-Bürokratie, nach der wilde Tiere nicht
mehr zum Gelderwerb gehalten werden dürfen (Zirkus, Variété
o.ä.).
Die Tiere, die nicht an Zoos oder Zirkusse in Nicht-EU-Ländern vermittelt
werden können, landen Dank der EU im Schlachthof.
Emilia will niemand übernehmen und Lucia Lacander wandert mit ihr nach
Russland aus, wo die beiden zunächst im Staatszirkus Moskau auftreten
und nachdem dieser
schließt, über Land bis nach Sibirien ziehen und ihre Kunststücke
aufführen. Die kluge und gutmütige Emilia lernt sogar den berühmten
Kosakentanz.
Als sich auch die politischen Verhältnisse in Russland ändern,
kehren die beiden
nach Finnland zurück. Sie wandern nachts durch die Wälder, Emilia
genießt das tägliche Baden in den Seen und tagsüber ruhen
sie. Die Menschen auf dem Land sind äußerst angetan und hilfsbereit,
denn Lucia ist eine sehr attraktive junge Frau und Emilia gewinnt die Herzen
im Sturm. Die finnischen Landschaften, die Lebensart der Bauern und der
Landbevölkerung, ihr Einfallsreichtum und ihre Herzenswärme erinnern
an Kindheiten ohne Globalisierung und "Geiz ist geil-Mentalität".
Nach vielen Verwicklungen und aufregenden Gefahren kehrt Emilia in ihre
Heimat Afrika zurück und wird zu der angesehenen Matriarchin einer
Elefantenherde.
Und der Leser seufzt nach Ende der Lektüre :
"Ach Arto - es ist ein Traum!"
AM
Titel : ...und warum hast du mich weggegeben?
Autoren : Lili Schumann & Uwe-Jens Schumann
Verlage : Krüger
ISBN : -13:978-3-8105-1939-9
-10:3-8105-1939-1
Der Autor zitierten
Erich Kästner:
"Sei traurig,
wenn du traurig bist,
und steh nicht stets vor deiner Seele Posten,
den Kopf, der dir ans Herz gewachsen ist,
wird`s schon nicht kosten"
Wenn man sich doch bloß
daran gehalten hätte. Aber nein Herz, Schmerz und Gefühls-Banalitäten
werden exhibitionistisch breitgewalzt. Der Autor (Adoptivvater
einer 16 jährigen Philippina) suhlt sich in seinen Vatergefühlen,
wobei die schönsten Erinnerungen vollgeschissene Windeln zu sein scheinen.
Unentwegt möchte er
ins Hirn der Teenietocher kriechen. Diese die "Co-Autorin", ein
verzogenes Shopping Girlie, langweilt nicht minder mit öder Dämlichkeit
und Unbedarftheit.
Immerhin sind die Reportagen über Land- und Leute in Manila und Barcolod
auf den Philippinen informativ aber auch nicht neu. Der Verdacht, daß
"Gutmenschentum" nur mit den eigenen Unzulänglichkeiten zu
tun hat, bestätigt sich leider.
AK
Titel
: Bankrott
Autor : Adolf Heinzlmeier
Verlag : Gmeiner Verlag, 88602 Meßkirch
ISBN : 3-89977-667-4
Ein spektakulärer
Banküberfall im Frankfurter Nordend durch ein junges Pärchen à
la Bonnie & Clyde, die Waller, einen arbeitslosen Akademiker,
als Geisel nehmen, ruft Detektiv Merton auf den Plan. Eine zwielichtige
halbseidene Type beauftragt ihn, die Bankräuber zu suchen. Eine anonyme
e-mail an die Boulevard Presse, daß die Geisel Waller in Wirklichkeit
der Chef der Bande sei und mit dem Überfall ein Zeichen setzen wollte
gegen die Allmacht und Ungerechtigkeit der Banken,
bringt Waller ganz schön in Wallung, zumal weitere Morde und Überfälle
in seinem Umkreis stattfinden und er nun Verdächtiger Nr. 1 ist.
Ein Krimi mit sozialkritschem Ansatz am Tatort Frankfurt-Bankfurt:
"eine Metropole ohne Leitbild, die Verunsicherung der Moderne wird
hier virulent. Mit ihrem Image als multikulturellem Moloch muß sie
leben."
Man kann auch sagen, eine Stadt, die der Alleinherrschaft des Kapitals alles
unterordnet - auch die Menschen. Menschen, die zu Tausenden entlassen werden,
die ihre Identität verloren haben und an nichts mehr glauben. Arbeitslose
aller Klassen vom Arbeiter bis zum Akademiker, Studenten ohne Zukunft. Einstige
Ideale werden verspottet, ehemalige Linke werden zu Rechten und ehemalige
Rechte zu Linken . YUNKIS = Young Unemployed No Kind of Identity verprassen
Papas Kohle.
Vor diesem Hintergrund werden Waller, Merton und den beteiligten Personen
die Bankräuber immer sympathischer und es folgt eine regelrechte Nachahmerwelle
an Banküberfällen als Leistungssport für Abenteurer.
"Friede den Hütten, Krieg den Palästen" von Büchner
aus dem Hessischen Landboten, eines der vielen klugen Zitate des Autors,
könnte als Leitmotiv dieses unterhaltsamen Krimis gelten.
AM
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Titel : Zu jeder Schandtat bereit
Autorin: Paula Renzi
Verlag :Verlagsgruppe Lübbe
ISBN-13: 978-3-404-15459-3 (ab 01.01.2007)
-10: 3-404-15459-2
Junge hippe Frau - auf
der Suche nach dem Traummann - wird in einen Kriminalfall
verwickelt. Im ihrem Keller liegt eine Leiche.
Zwischen Sexshop, Swinger Club, einem mit Haschisch kochenden Opa, schwulen
Nachbarn und einem verrückten Hund schwirrt die Heldin durch Frankfurt,
das wohl
nur als passende Kulisse gewählt wurde, Der ermittelnde Kriminalkommissar
entpuppt
sich als DER Traummann (wer hätte das gedacht?!) und alles wird gut.
Flotter Anfang mit teilweise sehr witzigen Milieubeschreibungen. Dann flacht
die
Geschichte deutlich ab und man beendet das Buch leicht enttäuscht.
zum Menü
Titel : Erlebnis Essen
Autorin: Ursula Heinzelmann
Verlag : Scherz, ein Verlag der S. Fischer Verlag Gmbh
ISBN-13: 978-3-502-15013-8
-10: 3-502-15013-3
Man sollte meinen, daß
zum Thema Essen und Trinken Alles gesagt und
geschrieben wurde, erstaunlicherweise wird man immer wieder eines
Besseren belehrt. "Erlebnis Essen" ist so eine angenehme Überraschung.
Die Autorin geht den Gründen nach, warum industriell gefertigte Lebensmittel so oft fade und geschmacklos sind und wo man Alternativen finden
kann. Beispiel: die "Frankenstein Tomate", die eigentlich nur
noch eine Karikatur
ihrer selbst ist. Woran erkennt man nun eine gute Tomate ? Zitat":
sie braucht farblich keineswegs gleichmässig sein. Die Schale wirkt eher transparent.
Sie ist
noch elastisch aber nicht hart oder kompakt und sie schmeckt erfrischend
säuerlich."
Oder am Beispiel von Kuh, Milch, Butter, Käse: Die in den 30iger Jahren
verordnete Zwangsablieferung sämtlicher Milch an Molkereien hat sowohl
die Butter als auch die
Kultur der Käseherstellung verkümmern lassen und sie industriell
geschmacksreduziert
Es werden biologisch dynamische Betriebe und andere Personen skizziert,
die mit viel Idealismus und Engagement zu den Wurzeln der Lebensmittelerzeugung
zurückkehren
und neben Qualität und Geschmack der erzeugten Produkte auch noch wirtschaftlich
sein können. Oder, wer weiß noch was Hasenköpfe und Schafsnasen
sind ? usw. usw.
In diese fundierten und unterhaltsamen Recherchen hat die Autorin Rezepte
und
Anekdoten eingestreut, wie diese über den Medizinalrhabarber, radix
rhei, :
Friedrich der Große schrieb 1754 in einem Brief : "Mir geht es
auch nicht immer,
wie ich es gern haben möchte, deswegen muss ich doch König bleiben,
Rhabarber
und Geduld wirken vortrefflich".
Titel : Blutadler
Autor : Craig Russell
Verlag : Ehrenwirth in der Verlagsgruppe Lübbe
ISBN : 3-431-03689-6
412 Seiten
In Hamburg finden krasse
Morde statt; junge Frauen werden als sog. "Blutadler" mit herausgerissenen
Lungen, die wie Flügel über die Schultern geworfen werden, drapiert.
Kriminalhauptkommissar Jan Fabel, Vater Schotte, Mutter Deutsche fühlt
sich von begleitenden e-mails eines Son of Sven persönlich herausgefordert.
Die Recherchen führen zu Okkultismus, hier Odin Anbetung. Selbsternannte
Nachfahren der Wikinger interpretieren den Kult in Ihrem Sinne und bringen
Odin diese Blutopfer dar.
Die psychologische Beschreibung der Täter durch den Autor ist ordentlich
recherchiert. Zitat Polizeipsychologin: "Er ist ein Einzelgänger,
jemand mit geringem Selbstwertgefühl. Er glaubt, daß seine Intelligenz
unterschätzt wird und sein Potential von seiner Umgebung eingeschränkt
wird. Dieser Umgebung hat er den Krieg erklärt" (Zitat noch nicht
zu Ende - wird besser). Oder zum Glauben: Zitat: "nicht was man glaubt,
spielt eine Rolle, sondern auf den Akt des Glaubens kommt es an - egal,
wie seltsam oder extrem er anderen erscheinen mag. Das ist der Grund dafür,
warum ansonsten normale junge Männer mit Flugzeugen in Gebäude
voller Menschen jagen" Zitat Ende.
Verwirrspiel in diesem Roman wird dadurch hervorgerufen, dass fast sämtliche
deutschen Dienste und Spezialkommandos ins Spiel gebracht werden, wie z.B.
LKA, BND, SEK, BAO, GSG9, die, wie man wohl weiß, nicht oder selten
miteinander arbeiten, sondern ihre ganz eigenen Ziele verfolgen. Hier kommt
das organisierte Verbrechen ins Spiel in Form böser Ukrainer, die in
Afghanistan gekämpft haben und ihre Menschlichkeit dort verloren haben.
Ärgerlich sind Fehler wie der, dass das Hauptquartier der Britischen
Armee in Deutschland nach Frankfurt verlegt wurde (nein!), oder Unglaubwürdigkeiten,
wie die, dass Konferenztische bei der Polizei aus edlem Kirschbaumholz sind,
erst wohnt Fabel im Stadtteil Rotherbaum an der Außenalster (sehr
teuer, für Polizisten wohl kaum erschwinglich), dann irgendwann in
Pöselsdorf, usw. Es wurde wohl mit heißer Feder geschrieben.
Die Stadt Hamburg wird in den höchsten Tönen gelobt, hier zeigt
der Autor wirkliche Begeisterung.
Fazit: wieder einmal haben wir es mit religiösem Wahn, immer perverseren
Morden und der Jagd der Guten auf die Bösen zu tun (Dan Brown läßt
grüssen).
AM
Einmal
fliegen noch
Autor : Björn Ludwig
Verlag: Killroy media, Asperg
ISBN: 3-931140-25-3
Ein Road Movie : Nils und Larissa, ein gescheitertes Paar, größenwahnsinnig,
verrückt, gewalttätig, abgefahren und doch von tiefer Verletzbarkeit
und Zartheit.
Das Innen- und Außenleben der beiden bewegt sich zwischen Berliner
Milieu und Norwegen. Authentisch und gut geschrieben mit gelungenem satirischen
Touch. Man möchte verweilen, einzelne Absätze nochmals lesen,
einfach um die Situationskomik zu genießen. Zusätzlich ist das
Buch auch noch spannend.
Eine Textprobe zum Einstieg:
"Nun schwamm ich seit Wochen in einem gutmütigen Meer aus Tuborg
und sinnierte.
Aber meine angegriffenen Gehirnwindungen boten mir keine Lösungen an,
ich vertagte alles und versank in eine beispiellose Lethargie. Grob umschrieben
war mein Problem, daß ich einfach zu viele Probleme hatte. Daraus
resultierte die äußerst unangenehme Begleiterscheinung, mit dreiunddreißig
immer noch keinen Beruf erlernt zu haben. Ich war schon mit fünf gestreßt
und meine sogenannte Frustrationstoleranz hatte ich in meiner Jugend bereits
aufgebraucht, Vorarbeiter einer Abrißbude, mehr war wohl nicht drin
gewesen. Desperados aller Herren Länder hatte ich fünf Jahre lang
über die Höfe und durch die Kellergewölbe Berlins gejagt."
Warum das Buch "Einmal fliegen noch" heißt wird nicht verraten.
AK
Essays über zwanghafte
sexuelle Obsessionen wie Onanieren im Kälteschock
in der Gefrierkammer, "Arschvergipser", "Pralinen-Fick-Alpträumerin"
und sonstige
Schizo- oder Zwangsneurosen von sprechenden, mordenden Möbeln, Hosianna
singenden sich selbst abfackelnden lebenden Weihnachtsbäumen usw.
Personen werden nur angedeutet und das ist ein bischen wenig.
Hinter Obsessionen, die ihre hot spots ausschliesslich zwischen den Schenkeln
haben, kann man nur Hirnamputierte vermuten und vielleicht gehört die
Autorin dazu.
Da kann die Sprache noch so "herausfordernd" oder wie es modern
heißt :"tabulos
sein, man merkt die Pose und ist verstimmt.
AK
Auslöser zu diesem
Buch war der Umzug des Literaturhauses aus der edlen Gründerzeit Villa
an der Bockenheimer Landstrasse in die Ruine der Alten Stadtbücherei
- den Portikus im Ostend. Diese Ruine, die immerhin mehr als 50 Jahren nach
dem Krieg aufgehübscht und instandgesetzt wurde. Man muß wissen,
daß Frankfurt aus sehr unterschiedlichen Stadtteilen besteht, in diesem
Fall das Westend mit Teilen Bockenheims ist die gute Stube, im Ostend wohn(t)en
grob gesagt die Schmuddelkinder. Dazu gehörten die Juden und heute
die Ausländer.
Für die oft unerträglich arrogante intellektuelle Elite Frankfurts
und vor allem :
was sich dafür hält war dieser Umzug sicher ein Schock der verarbeitet
werden musste, andererseits sind die Frankfurter Neuem gegenüber offen
und interessiert.
Ein literarischer Spaziergang ist ein netter Versuch der Aufarbeitung.
Also wie ist es nun mit Frankfurt Booktown ? Renate Chotjewitz Häfner
beschreibt ausführlich die Geschichte der Literaturhaus-Villa, der
ehemaligen Besitzer, der Gründungsgeschichte des Literaturhauses über
Holzhausenschlößchen bis in die Bockenheimer 1990. Dann geht
es literarisch doch los mit A wie Adorno, B wie Brecht, C wie Canetti bis
Z wie Zwerenz. Zu jedem Autor die entsprechende Strasse,
das entsprechende Haus und der literarische Zusammenhang.
Interessant auch die Geschichte einiger Bauten wie z.B. das Haus
Börsenstrasse 2-4: 1938 - 1945 Adolf Hitler Haus, 1949 FAZ, ab 1920
: Jugend-Bücher-Stube, später die Frankfurter Bücherstube
bis 1988, bis Mitte der 90er Jahre logierte Suhrkamp hier. Heute Edelboutiquen
und Büros.
Die Frankfurter Literaturszene wie Verlage, Buchhändler sind nat.ebenfalls
Thema und es kommt Bitterkeit auf, wenn man miterlebt hat wie der Geldmoloch
Frankfurt geliebte Buchhandlungen verschluckte:
-Bockenheimer Bücherwarte, Kohl, Blazek & Bergmann, Bücher
Hase, Mühlhausen, Herder Biebergasse, Naacher Steinweg, usw.
Selbstverständlich dürfen die 68er und der Häuserkampf im
Westend nicht fehlen mit ihren skurrilen Begleiterscheinungen wie das "Heidi-loves-you-shop"
in der Bockenheimer 87 als Frankfurter Hippie-Zentrum. Der Gründer
Paul Gerhard Hübsch nennt sich heute Hadayatullah oder kurz Hadayat,
der im LSD Rausch zu Allah fand, heute das Kopftuch verteidigt und Vorsitzender
eine Moschee ist (wie war das noch
mit den Elchen ?). Zu dieser Zeit war auch die Literaturszene im Umbruch,
der Verlag der Autoren entstand, der Verlag Roter Stern, in Olympia Press
versuchten
sich Autoren an Pornos unter Pseudonym.
Robert Gernhardt skizziert die Komiker Meile, die Geschichte von Pardon
und Titanic mit bösen Seitenhieben auf Hans Nikel alias Nikelangelo.
Dieses Buch enthält eine Fülle von Informationen und ist auch
als Nachschlagwerk geeignet.
AK
Prof.
Werner Habermehl: Handbuch für Voyeure
Nina Merian : Lästerlexikon
Rene Zey: Lexikon der wissenswerten Nebensachen
Je 14.90 € Europa Verlag, Hamburg
Voyeure, Lästereien und andere Nebensächlichkeiten
Leichte, nicht seichte Unterhaltung bietet die Lexik-Reihe des Europa Verlages, auch wenn Prof. Habermehl in seinem "Handbuch für Voyeure" manchmal dicht dran ist. Neben Gerichten, die angeblich die Potenz steigern, stehen Statistiken der etwas anderen Art: Wer weiß denn schon, dass 17% der deutschen Rentner Sex am liebsten morgens nach dem Frühstück haben und 25% der deutschen Verkäuferinnen gerne Hodensäcke lecken? Na, vielleicht gibt es ja bald die passende Quizsendung dazu.
"Das Lexikon der wissenswerten Nebensachen" von Rene Zey ist nicht schlechter oder besser als der Seller Schotts Sammelsurium und führt beispielsweise sämtliche Autos mit Wankelmotor auf und erklärt welche Tiere nie gelebt haben; beispielsweise der Erdal-Frosch oder die Eichborn-Fliege. Darauf hätte man gerade noch selbst kommen können, aber es liest sich vergnüglich.
Nina Merian
lässt in ihrem "Lästerlexikon" mehr oder minder berühmte
Frauen mit ebensolchen Sprüchen zu Worte kommen.
"Lügen ist bei einem Liebhaber Kunst, bei einem Junggesellen Talent
und bei einer verheirateten Frau eine zweite Natur." (Helen Rowland)
"Die Frauen geben sich Gott hin, wenn der Teufel nichts mehr ihnen
zu tun haben will." (Sophie Arnould)
Alle Bücher sind ansprechend aufgemacht und haben nur ein Manko:
Wer keine Adleraugen hat, wird zwischen Lesebrille, -lampe und Lupe hin
und herrutschen, denn oft ist die Schrift unsäglich klein.
W.G. Fienhold
Das
Paradies ist anderswo
Autor: Mario Vargas Llosa
Verlag: Suhrkamp
ISBN: 3-518-45713-6
493 Seiten
Auf der Suche
nach ihrem Paradies sind die Protagonisten: Flora Tristan
und Paul Gauguin. Die eine, spartanisch und diszipliniert lebend, engagiert
sich
für die Arbeiterunion in der Mitte des 19. Jh. in Frankreich, der andere
- ihr Enkel -
sucht sein Paradies in der Ausschweifung bei den von ihm so genannten "Primitiven"
in der Südsee. Die Utopie, das Ideal, die Befreiung des Menschen von
den Fesseln
der Armut, des Leides, der bürgerlichen Existenz muß in dieser
Unbedingtheit bei beiden scheitern. Llosa schreibt detailverliebt, fantasievoll
und ausladend.
Etwas mühsam zu lesen ist die Gegenüberstellung dieses Doppelportraits,
da die Zeiten und Personen in jedem Kapitel wechseln. Eigentlich handelt
es sich um zwei Romane, wobei der Gauguin Teil der bessere ist.
PS:
Der Lektor sollte sich Übersetzungen? genauer ansehen - z.B. :
Zitat "Sie kehrte mit dem bitterem Geschmack im Mund in die Herberge
zurück, der sie ab und zu heimsuchte" Zitat Ende. Das tut weh!
AK
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Menü
Komm
näher
Autor: Sara Gran
Verlag: Krüger
ISBN: 3-8105-0867-5
204 Seiten
Rasant geschriebener
Psychothriller. Eine Dämonin bemächtigt sich einer jungen Frau,
die sozusagen gelenkt immer mehr dem Wahn verfällt. Auch dem pragmatischsten
Agnostiker läuft es beim Lesen eiskalt den Rücken runter.
AK
Ein
letzter Schatten von Zweifel
Autor : Kjell Ola Dahl
Verlag : Bastei Lübbe
ISBN : 3-404-14903-3
"Schlaf
Ola schlaf" : Ein Buch schweigt Dich an. Gedankenlahm, sprachfaul,
orientierungslos quält der Autor den Leser 100 Seiten lang ehe zumindest
mal eine kleine Schlägerei stattfindet und Mann lustlos eine dumme
Nuß vögelt.
Nicht-Handlung = Mann sucht anderen Mann, warum weiß der Autor wohl
selbst nicht. Schlaft weiter und schweigt Euch weiter an liebe Norweger.
Mit Literatur hat dies sowenig zu tun wie ein malender Schimpanse mit Kunst.
Man ist irritiert, denn der Autor hat den norwegischen Riverton Krimi Preis
erhalten.
Vielleicht kommt zum Ende ja eine ganz tolle Geschichte dabei heraus, wenn
sich der Leser bis Seite 142 jedoch nur tödlich langweilt, ist es sein
gutes Recht, das Buch in den Orkus zu feuern.
AK
Eine
gefährliche Beziehung
Autor :Douglas Kennedy
Verlag : Gustav Lübbe
ISBN: 3-7857-2195-1
Leserauschgefahr
! Wer immer sich auf 510 Seiten einlässt, kann nicht mehr aufhören!
Worum geht es ? Engländer heiratet ad hoc Amerikanerin (beide Auslandskorrespondenten
für Print Medien). Sie wird schwanger und beide geben
das Herumreisen auf und lassen sich in London nieder. Bis hierher ziemlich
alltäglich. Dann geht's los : Der Ehemann entpuppt sich als ziemlicher
Widerling, die Ehefrau landet nach Horrorschwangerschaft in der Psychiatrie.
Die Zuspitzungen enden in dramatischer existentieller Bedrohung für
die Frau.
Nebenbei lernt man so einiges über Englands und im speziellen Londons
Besonderheiten, z.B. die skurrilen Eigenarten des dortigen Rechts- und Gerichtssystems.
Man benötigt einen lawyer (Anwalt) plus einen barrister (auch
Anwalt, aber bei Gericht zugelassen). Nur der barrister darf vor Gericht
Plädoyers halten, d.h. man benötigt immer 2 Anwälte. Auch
die irrwitzigen Immobilien Preise
In London sind ein interessanter Aspekt, zB. 1000 Pfund Miete für ein
mickriges
1-Zi-Apt. usw. usw.
Fazit : nur für suchtgefährdete Leseratten geeignet.
AK
Und
keine Schlacht bei Marathon
Große Ereignisse und Mythen
der europäischen Geschichte
HG. Wolfgang
Krieger
Klett-Cotta, 362 Seiten
ISBN 3-608-94079-0
Wie immer bei solchen Büchern, die von diversen Autoren bestückt
werden,
gibt es auch bei "Marathon", das auch "kleine Schlacht"
heißen könnte, qualitativ unterschiedliche Beiträge.
Akzeptabel sind sie alle, aber mal mehr und mal weniger spannend geschrieben.
Beispiel : Die Befreiung von Orléans, Jeanne d`Arc von Heribert Müller:
Johanna von Orléans, die Heroin Frankreichs, die von Gott gesandte,
die glühende Royalistin, der Karl VII die Krone und den Zusammenhalt
der Nation zu danken hat ?
Wer war Sie ? "La Pucelle", ein Bauernmädchen aus Lothringen,
die "Stimmen" hört, die ihr den Auftrag von Gott direkt erteilen,
Frankreich von den Engländern zu befreien. Durch ihre Stärke und
Begeisterungsfähigkeit für ihre Sache zog sie Bewunderer an, die
schwach waren, denn die Franzosen waren im 100jährigen Krieg mit England
ausgelaugt und verunsichert.
Rational erklärte später Voltaire ihre Persönlichkeit als
eine bedauernswerte Geistesgestörte und kranke Ekstatikerin, die an
Halluzinationen bis zum Wahnsinn litt
(heute Krankheit des schizophrenen Formenkreises). Geschichtlich war die
Situation für England bereits ein overstretch, denn dem bevölkerungsarmen
England stand ein bevölkerungs- und ressourcenreicheres Frankreich
gegenüber. Weiterhin hatte sich der in Chinon im Abseits sitzende Karl
VII mit klugen Diplomaten, Wissenschaftlern und Klerikern umgeben und unter
diesen und ihren Kollegen in den von England besetzten Städten gab
es mannigfache Verflechtungen (Studienfreunde, Verwandtschaften usw.) Frankreich
war eigentlich schon auf einem guten Weg. Jeanne d`Arc war sozusagen der
emotionale und heroische Kristallisationspunkt, ein aboutissement, d.h.
Ergebnis und Endpunkt einer Entwicklung.
Natürlich : Heldentum, Mystik und ein grausamer früher Tod auf
dem Scheiterhaufen sind der Stoff für Heldinnen und Helden und Idole.
Die Wirklichkeit ist wohl komplexer und weniger heroisch. Ein emotionales
Symbol für die Einheit der französischen Nation wird sie trotzdem
bleiben.
Leider recht trocken geschrieben. Auch Historiker sollten in der Lage sein,
ihren Stoff in ansprechender und (sorry) unterhaltsamer Form an den interessierten
Leser zu bringen.
Das historische Fazit ist altbekannt: Die Geschichte schreiben die Sieger
und die überhöhen sich nun mal seit eh und je.
WGF + AK
Älter
Werden Wir Jetzt
Autorin : Eva Tenzer
Verlag : Krüger Verlag
285 Seiten
ISBN 3-8105-2022-5
Motto : Viele Menschen
werden deshalb nicht achtzig,
weil sie zu lange versuchen, vierzig zu bleiben
Salvador Dali
Endlich ein Ratgeber
den man nicht sofort angeödet beiseite legt. Die Autorin (Jahrgang
68)
räumt gründlich auf mit der "forever young" Drohung,
denn logischerweise kann der Wahn des immer jünger, immer fitter, immer
besser werdens nur Versagensängste auslösen.
Ausgezeichnet geschrieben und strukturiert von Lebenskunst statt anti-aging
bis Humor (ist wenn man trotzdem lacht).
Jedes Thema wird abgeschlossen mit einer Kurzzusammenfassung der wichtigsten
Punkte
inklusive nützlicher Internet Adressen.
Also : gute Tipps und Strategien für eine Planung des Lebens im Alter
für die sich
auch jüngere Menschen zunehmend interessieren (sollten?).
AK
Andrea
Camilleris
Sizilianische Küche
Autoren : Martina Meuth und Bernd Neuner-Dittenhofer
Verlag : edition Lübbe in der Verlagsgruppe Lübbe
256 Seiten
Wunderschönes liebevoll
gestaltetes Kochbuch der kulinarischen Vorlieben des Autors
Camilleri und seines Commissario Montalbano. Vor dem Hintergrund der vielen
Fremdherrscher, die ihre Spuren auch in der Esskultur Siziliens hinterliessen,
ist diese Küche ein Spiegel ihrer Geschichte. Die Rezepte lassen schon
beim Lesen das Wasser im Mund zusammenlaufen und sind relativ einfach nachzukochen.
Das Geheimnis sind absolut einwandfreie frische Zutaten. Das Ganze wird
begleitet von kleinen Abstechern in die Bücher
Camilleris, zu Adelina der Haushälterin, zu den Lieblingsköchen
der Lokale, die Montalbano gerne aufsucht und zu den fast ehrfürchtigen
Speiseritualen des Protagonisten.
Ein Wermutstropfen sind die grässlichen Fotos der zubereiteten Speisen.
Das ist nun wirklich sehr sehr schade, zumal dies für die übrigen
Fotografien der Landschaften und Menschen nicht gilt.
Liebhaber der süditalienischen, bzw. sizilianischen Küche haben
jedoch hoffentlich genug Fantasie, sich nicht abschrecken zu lassen, Camilleri
Fans sowieso nicht.
AK
Dieter
P. Meier-Lenz
Die Zeitlupe des Salamanders
76 S.
Gedichte, Edition literarischer Salon
ISBN 3-925740-31-7
In Deutschland werden
immer noch gute Gedichte geschrieben und leider erscheinen sie nicht bei
Suhrkamp (dort gibt es zwar auch noch Lyrik, aber eher zum Abgewöhnen),
sondern in kleinen Verlagen, fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit.
Meier-Lenz gehört seit vielen Jahren zu den Top Five der deutschsprachigen
Lyriker
(nicht etwa Durs Grünbein oder Robert Gernhardt) und legt mit die "Die
Zeitlupe des Salamanders" ein weiteres Werk in einer langen Reihe gelungener
Gedichtbände vor.
Die Sensation
Er warf seine Gedanken
aus dem Fenster
Dann eine Hand ein Auge ein Ohr
Mit dem Rest seines Körpers
Blieb er allein im Zimmer
Sein Hals hing schon in der Schlinge
Nur seine Stimme
Fiel noch auf die Straße
Während draußen
die Leute
Seine blutige Hand hielten
Ein Auge auf sein Auge warfen
Und ganz Ohr waren
Seinem Röcheln begierig zu lauschen
In sterbenden Oktaven
Als Zugabe warf er zum
Schluss
Seinen Tod auf die Straße
Die Leute aber sagten
Er hätte sein Leben weggeworfen
Anzumerken ist nur noch,
dass D.P. Meier-Lenz die Kleinschreibung bevorzugt.
Mein Computer und ich mögen es aber lieber groß, deshalb haben
wir auf eine Korrektur der automatischen Korrektur verzichtet. Vielleicht
ein Grund mehr das Buch zu kaufen und original zu lesen.
WGF
Martin
Ebbertz
Onkel Theo erzählt vom Pferd
128 S.
Verrückte Geschichten, Moses Verlag
ISBN 3-89777-215-9
Nach Münchhausen und Käptn Blaubär kommt nun Onkel Theo der
spinnerte Pferdeerzähler. Autor Ebbertz weist schlüssig nach,
dass das Telefon bereits in der Steinzeit erfunden wurde, das größte
Pferd so groß ist, dass es den eigen Schweif nicht sehen kann und:
"...Und wisst ihr wie es ein Nashorn macht, wenn es einen Eisbecher
haben möchte?"
Die Kinder schüttelten den Kopf.
"Nun", sagte Onkel Theo, Eigentlich ist das ganz klar. Das Horn
vom Nashorn ist nämlich innen hohl. Und wenn das Nashorn ein Eis essen
will, dann nimmt es einfach sein Horn von der Nase herunter und schon hat
es die herrlichste Eistüte der Welt. Da kommt das Eis rein, und wenn
das Nashorn fertig gegessen hat, dann setzt es sich das Horn wieder auf
die Nase..."
27 solcher abstruser Theorien sind als Vorlesegeschichten in diesem Buch
zu finden, aber vorsicht:
Nicht mehr als zwei am Abend lesen, nicht nur weil man es sonst selbst glauben
könnte, sondern weil der Schluss aller Geschichten aus den acht selben
Sätzen besteht und das kann bei aller Originalität auch ermüden.
WGF
Titel:
Grünes Gift
Autor: Patric Nottret
Verlang: Ehrenwirth 2005
ISBN: 3-431-03631-7
Im Bois de Chevreuse bei Paris
liegt die übel zugerichtete Leiche eines Mannes. In seiner
Kleidung findet die Polizei seltene grüne Blätter und ein Foto
derselben. Die Auswertung dieser und weiterer Spuren rufen den Pariser Ökobullen
Sénéchal von der Abteilung zur Verfolgung von Umweltdelikten
auf den Plan. Dieser Sénéchal ist ein ziemlich unkonventioneller
interessanter Typ. Die Fäden der Recherche führen nach Französ.Guyana,
wo Drogenbarone und auch Pharmamultis über dubiose Mittelsmänner
und Gangster an den Genreichtum von tropischen Pflanzen für ihre ausbeuterischen
Zwecke kommen wollen. Hierzu benutzt man die Schamanen der Indianer, die
ein enormes Wissen über die Wirkung von Pflanzen und organischen und
anorganischen Substanzen haben. Bei "Bedarf" werden dann ganze
Indianerstämme gnadenlos vernichtet.
Der Roman beschreibt gut verständlich die biochemischen Wirkungsweisen
und die Verfahren der
Biogenetik, sodass wir es hier nicht nur mit einem fundiert geschriebenen
Roman zu tun haben, sondern auch naturwissenschaftlich interessierte Leser
auf ihre Kosten kommen.
Allenfalls das Einlesen ist etwas langwierig, da sehr viele Charaktere und
Gegebenheiten parallel
ausführlich beschrieben werden und es daher eine Weile dauert bis man
zum Kern der Geschichte kommt. Geduld lohnt sich auf jeden Fall.
Antje Klusmeier
Titel: Trapped
In der Falle
Autoren: Herbert Friedmann, Tina Zang
Verlag: Langenscheidt 2005
ISBN: 3-468-20434-5
Preis: Euro 5.95
Spielerisch leicht englisch lernen oder vertiefen und sich dabei noch von
einem spannenden Kinderkrimi unterhalten lassen, was gibt es Besseres ?
Die Dialoge zwischen dem deutschen Rick und seiner englischen Freundin Jessica
finden in englischer , die Fantasien des Jungen und die Erzählung in
deutscher Sprache statt. Die englischen Redewendungen sind fett gedruckt
und werden als Fussnote fett wiederholt inkl. deutscher Übersetzung.
Worum geht es ? Rick findet sich in einem Vorort von Oxford wieder, weil
sein Vater eine Gastprofessur an der Universität von Oxford übernimmt.
Auf seinen Erkundungstouren lernt er im Templars Square Shopping, einem
Einkaufszentrum, Jessica, die Tochter des dortigen Pizzabäckers kennen.
Im "Shopping" wimmelt es von Mäusen. Die beiden beschliessen,
der Sache auf den Grund zu gehen und werden in gefährliche Situationen
verwickelt, da es offensichtlich einen bösen Drahtzieher gibt. Nebenbei
erfährt der Leser was ein Palindrom oder was ein englischer "tongue
twister" ist : z.B. "how can a clam cram in a clean cream can".
Und auch der erwachsene Leser schmunzelt bei Sätzen wie "Da erinnerte
ich mich wie Sabrina (die Mutter) mir einmal erklärt hatte, woran man
einen ausgeglichenen Menschen erkennt : Er entscheidet selbst, von wem er
sich beleidigen lässt."
AK
Aug. 05
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Titel : Die Petrusakte
Autor : Andreas Englisch
Verlag: BLT Verlagsgruppe Lübbe 2005
ISBN : 3-404-92211-5
Preis Euro 7.95
Basis der Geschichte sind altchristliche
Schriften (Apokryphen), die nicht im Gottesdienst
verwendet werden dürfen, die aber teilweise in die Apostelgeschichte
eingegangen sind. Konkret geht es um die Legende Aurea des Bischofs von
Varazze bei Genua, Jacobus de Voragine : "Simon der Zauberer",
der fliegen konnte, um dem Kaiser in Rom und Petrus zu beweisen, dass er
(Satan?) stärker ist. Durch Gebet erreicht Petrus, dass Simon abstürzt
und
stirbt. Simon prophezeit, dass er auferstehen wird.
In Ariccia, einen kleinen Kaff in der Nähe von Rom sollten die Gebeine
von Simon eingemauert sein. Der alte Probst Sante della Cave und der degenerierte
Adelige Fürst
Alessandro Chigi glauben an die alten Prophezeihungen. Die junge Architekturstudentin
Marion Meerling zieht bei Fürst Chigi ein, dann taucht der junge gutaussehende
Vikar
Vincenzo Peo auf und verliebt sich natürlich unsterblich in Marion,
worauf Chigi dem
religiösem Wahn komplett verfällt und Marion in seinem Felsenverlies
einsperrt, da er
glaubt, dass der Geist von Simon in Marion gefahren sei, nachdem diese mit
dem Vikar
das Grab geöffnet hatte, Aus Rom wird auch kräftig mitgemischt.
Das einfache Volk
des Ortes begleitet alles genussvoll mit Klatsch und Tratsch.
Der eigentliche Hintergrund kommt dann doch etwas überraschend, da
der Petrustext
auch eine Tochter des Petrus erwähnt und nun das Zölibat in Gefahr
sein soll.
Ein bischen viel von Allem, ansonsten ein unterhaltsames Buch für die
Italien Reise
auch wenn Trivialitäten nerven wie "sie nahm dieses für eine
Frau durchaus spannende Flackern in Vincenzos Augen wahr, als..."
oder "die dickliche Sekretärin mit dem rosigen Gesicht, der man
auf den ersten Blick ansah,
dass sie eine Seele von Mensch war."
AK
07-05
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Titel :
Die Macht der Erinnerung
Autor : Marco Vichi
Verlag : Bastei Lübbe 2005
ISN 3-404-15336-7
Preis Euro 6.95
Commissario Casini Aus Florenz
raucht wie ein Schlot und trinkt sein Bier am
Schreibtisch, also ein richtig angenehmer Typ in Zeiten gesundheitlichen
Sektierertums mit verbissenen und vermurksten Rauch- und sonstigen Verboten.
Mit seinem Assistenten Piras,
einem ernsthaften wortkargen Sarden ermittelt Commissario Casini Morde an
kleinen Mädchen, die stranguliert und mit Biss in den Bauch gefunden
werden.
Man vergleicht unwillkürlich mit den Italokrimis von Camillieri. Aber
leider zu früh gefreut:
Die Rückgriffe auf die Zeiten des "italienischen" Widerstandes
gegen die Nazis ab 1943
inklusive jüdischer Geheimorganisation, die auch noch "die Weisse
Taube" heisst
(in Anlehnung an die "Weisse Rose"?) plus deutscher Bösewichte
in toto wirken konstruiert.
Man erfährrt auch nur von Hörensagen Dritter die Gründe für
die Untaten, da alle Täter gemordert aufgefunden werden und es somit
zu keinem "show down" kommt.
Schade, ein guter Start, das Buch hat dann aber deutliche Schwächen.
Cammilieris Commissario Montalbano bleibt einsame Spitze in diesem Genre.
AK
07-05
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American Schmonzes
„Kartell
des Schweigens“ von Philip Jolowicz hätte ein gutes Buch werden
können.
Plot, Story, Aufbau, Sprache und der fulminante Beginn sind okay, aber dann
verliert sich der Anwaltsthriller in eitler Geschwätzigkeit. 150 Seiten
kürzen und einen Film daraus machen, empfehlen die Leser vom Maintower.
„Der unsichtbare
Feind“ von Peter Clement verheißt laut Verlagswerbung „Spannung
pur“, na, ja eine Mischung von Schwarzwaldklinik , Schwätzer (Pfarrer)
Fliege und
und ein paar Sätzen aus diversen Genforschungsberichten mögen bei
Alten- und Krankenpflegern vielleicht gut ankommen. „Möglichkeiten
der Genforschung schockierend aufgedeckt“ (Wieder mal Verlagswerbung)
ist richtig, richtig langweilig.
Gerne hätte ich das Bändchen „Frogmusic“ von Professor Dipl. Designer Harald Braem gelesen. Aber da die Buchstaben kleiner als Fliegendreck sind, musste ich davon Abstand nehmen. Besitzer von Lesebrillen und Lupen mögen es sich zu Gemüte führen.
Harald Braem: Frogmusic. Edition X. Bd. 5. ISBN 3-928905-25-2. 112 Seiten.
Peter Clemens: Der unsichtbare Feind. Bastei Lübbe. ISBN 3-404-14844-4. 480 Seiten. 7.90 Euro
Philip Jolowicz: Kartell des Schweigens. Lübbe. ISBN 3-7857-2098-0
Der weltweite Terror überdeckt in dieser Zeit den alltäglichen,
wer aber sind die Wegbereiter des Wahnsinns?
Zwei Drittel der Menschheit glauben „Am Anfang war das Wort“.
Ergo beginnt alles Übel mit Wörtern.
Das Sachbuch:
„Die Sprache des Hasses“ von Heller und Maegerle beschäftigt
sich zwar mit dem Rechtsextremismus und der völkischen Esoterik, ist
aber in jeder Hinsicht mit der Hasssprache der Islamisten (Nicht die der Muslime)
vergleichbar..
Denn auch die Verkünder (Allen voran der Bestsellerautor Jan van Helsing)
des braunen Gedanken (guts?) bedienen sich religiöser Elemente. Der ehemalige
RAF - (Und jetzige NPD) Anwalt Horst Mahler verbreitet im Internet eine Theologie
des Terrors und steht somit bin Laden kaum nach.
Mahler meint: „Nur dann hat der Holocaust für den menschlichen
Geist eine herausgehobene Stellung, wenn er begreifbar ist. Er ist nur begreifbar,
wenn es in der Geschichte - wie Hegel meinte - vernünftig zugehe - anders
wäre an ihr nichts zu begreifen. Die in der Geschichte waltende Vernunft
wäre kein anderer als Gott.“
Und: „Die Geschichte ist das Handeln Gottes, nicht das Handeln der Menschen.“
Schön, alles ist also in Gottes/Allahs Hand. Alles ist in der Hand der
Götter seit Menschen Gedenken. Warum dann noch der ganze Mumpitz hienieden?
Oder können Marionetten doch ihre Fäden durchschneiden ?
Eines können manche sicher: Die Sprache der Unmenschen entlarven und
dabei ist das Heller/Maegerle - Buch hilfreich. Über van Helsing ( Warum
wohl dieses Pseudonym?) heißt es (Zitat):
„Das esoterische Denken relativiert moralische Urteile. Es rechtfertigt
alles Böse als Gegenseite des Guten. Die Rechtfertigung von Auschwitz
ist also eine mögliche, wenn auch nicht notwendige Folge des esoterischen
Ansatzes. Wenn Helsing den Juden die Schuld am Zweiten Weltkrieg und an ihrer
eigenen Vernichtung zuschreibt, folgt er dieser Logik. Nicht nur, dass jeder
im jeweiligen Leben ausbaden muss, was er in einem früheren angerichtet
hat; man kann sein Schicksal dadurch abwenden, dass man ein besserer Mensch
wird. Daraus schlussfolgern braune Esoteriker: Wer das nicht tut, ist selbst
schuld, wenn er im nächsten Leben vergast wird.“ Laut Mahler sind
auch die Amerikaner
selbst schuld, denn er verkündet im Internet:
„Der Angriff auf die Symbole der mammonistischen Weltherrschaft sind
......rechtens....“
Nichts gegen die harmlos-naiven Gläubigen in dieser Welt, aber das ist zutiefst pathologisch und das Pathologische fängt oft genug mit Religion an .... ganz gleich welcher.
„Esoterik und Faschismus überschneiden sich in ihrem elitären
Führerkult, ihren mit dem Anspruch der Wahrheit auftretenden Weltverbesserungslehren,
ihrer Schicksals-, Karma- und Vorsehungsgläubigkeit; sie überschneiden
sich in ihrer vollständig antisozialen, antihumanistischen und antiaufklärerischen
Orientierung.
Nicht zuletzt überschneiden sie sich auch im blindgläubigen Fanatismus
ihrer Anhänger.“
So der Anfang und die Kernaussage des Colin Goldner Buches
„Die Psycho-Szene“.
Wenn möglich, sollte man es parallel zu „Die Sprache des Hasses“
(Heller/Maegerle) lesen, denn diese beiden, man kann inzwischen Standardwerke
sagen, passen zusammen wie die Faust aufs Auge der
geistig verwirrten Unheilbringer.
Colin Goldner versteht sich zwar auch als Ratgeber der in der Esoterik
hilfesuchender Betroffener, aber er zeigt eher die unendliche Geschichte der
menschlichen Dummheit an passenden Beispielen auf.
Goldner, selbst Psychologe und als solcher auch nach seiner eigenen Interpretation
mit Vorsicht zu genießen,
leitet eine Informations- und Beratungsstelle für Therapie- und Psychokultgeschädigte.
Eine bessere Quelle gibt es kaum. Den Schaden den Hubbard (Scientology) und
Konsorten angerichtet haben und in immer stärkerem Maße anrichten,
beschreibt er seriös und akribisch. Denn von Hubbard über Mahler
bis zu bin Laden führt kein allzu weiter Weg. Wie die Medizin inzwischen
zu wissen glaubt (Man darf allergisch auf das Wort Glauben reagieren), gibt
es eine Relation zwischen religiösem Fanatismus und deformierten Schläfenlappen.
Dass Fanatismus eine menschliche Deformation darstellt, ist für den Homo
sapiens, der diese Bezeichnung zu recht trägt, Fakt.
Goldners größter Verdienst ist, dass er Zusammenhänge herstellt,
die zuvor zwar bekannt, aber nicht fundiert erklärt waren.
Die Pscho-Szene ist krank, macht krank und tötet im Endeffekt.
Obwohl Sachbuch hat das Buch alles was ein guter Krimi braucht, leider wird
es kaum etwas verändern, denn gegen Dummheit kämpfen nicht nur Götter,
sondern auch Goldner, vergebens.
Colin Goldner: Die Psycho-Szene
642 Seiten, Alibri Verlag
ISBN 3-932710-25-8
Friedrich Paul Heller und Anton Maegerle:
Die Sprache des Hasses
211 Seiten Schmetterling Verlag
ISBN 3-89657-091-9
Wolfgang G. Fienhold
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Langsam aber sicher kann man euphorisch werden, denn die deutschsprachige
Krimi-Kultur ist auf dem besten Weg der englischen und amerikanischen den
Rang abzulaufen.
Dies könnte nicht zuletzt ein Verdienst von Heinrich Steinfest sein,
der in seinem
„Rabenschwarzen Wienroman: Cheng“ alle Register des Genres zieht.
Der in Australien geborene und in Wien sozialisierte Autor versteht es wie
kaum
ein zweiter Schmäh mit Spannung und Witz zu mischen.
Privatdetektiv Cheng ( Österreicher mit chinesischen Eltern) ist ein
Anti-Held aus
dem Horror-Comic.
Cheng nimmt einen eigentlich harmlosen Auftrag an und befindet sich plötzlich
in der Küche des Teufels, besser: einer Teufelin, die ihn zum Krüppel
macht. So gut
die Story auch ist, noch besser ist Steinfests Sprache, die keinen Seitenhieb
auf
Gott und die Welt ausläßt und sich zwischen humorvoller Philosophie
und philosophischer Schnodderigkeit bewegt:
„Irgendein Tory (man erkannte sie an diesem Gesichtsausdruck, der an
nasse Bettwäsche erinnert) spielte sich auf, zog englische Wörter
auf wie andere Rotz
aufziehen......
Der Wiener ist übrigens der Überzeugung, daß man als Wiener
nicht gleichzeitig ein Nazi sein kann, leidenschaftlicher Antisemit ja, katholischer
Faschist ja, Demokrat ja,
aber ein Nazi, das ist immer ein Deutscher......
Wie vornehm verhielt sich Gott, indem er diese Stadt nicht einfach ausdrückte
oder zuspuckte......“
Vornehm sind weder Cheng noch Steinfest und das ist gut so, das ist wie im
richtigen Leben.
Einzig die Erklärungen der Zusammenhänge zum Ablauf des Geschehens
kurz
vor Schluß des Buches sind ein wenig zu langatmig geraten, aber das
herrlich
surreale (?) Finale entschädigt reichlich.
Und nicht zuletzt deshalb wäre es gemein eine Inhaltsangabe zu liefern,
durch
dieses Werk MUSS man einfach durch, wie durch eine Supernova und ein schwarzes
Loch.
Heinrich Steinfest, Cheng-
ein rabenschwarzer Wienroman
Bastei Lübbe
ISBN 3-404-12962-8
12.90 Mark
Die „Welt“ (Nur die Zeitung) lobte: Einer der atmosphärisch
dichtesten Krimis...viel zu schnell zu Ende gelesen.“
„Das Paar im Kahn“, nennt sich bieder das äußerst originelle
Werk.
Der Autor, Hansjörg Schneider, lobt sich erst einmal: „Hat man
eine gute Kriminalgeschichte, so kann man sich getrost ihrer tragenden Kraft
ausliefern. Sie führt den Schreiber, sie wird auch den Leser führen.“
Und ich lobe auch: „Man ist gespannt auf den nächsten Fehler, auf
die nächste Szene mit unfreiwilliger Komik (Auf Kosten des Autors) und
den nächsten Sprachschnitzer.“
Der preisgekrönte Baseler Autor lobt sich weiter, denn ihm ist ja keine
Peinlichkeit fremd:
„...ab und zu entsteht sogar Poesie. So haben Glauser und Simenon geschrieben.“
Glauser sicher stellenweise, aber Simenon ging bei diesem Satz die Pfeife
in der Gruft aus.
Auch unter Berücksichtigung der Eigentümlichkeiten der Schweizer
Sprachgewohnheiten muss man solche Sätze geschnetzelt goutieren:
„Diese Nacht gehört uns“, sagte sie. „Wir ziehen das
Telefon aus und legen uns zusammen ins Bett.“
Ein Dreier mit einem nackten Telefon...darauf würden nicht einmal die
Ostfriesen oder Österreicher in ihren dümmsten Witzen kommen.
Die Story von der ermordeten Türkin lässt kein Klischee aus, der
Stoff ist gut genug für ein(en) C-Movie im Privatfernsehen, denn Mafia,
Eifersucht und Ehre sind angesagt.
Und deshalb „spürte er (Kommissär Hunkeler) wie seine Knie
zitterten, ein leises Vibrieren.“
Die Zehennägel werden sich auch nach oben gebogen haben, nur ganz leise,
versteht sich.
Und darum: „Er fuhr gleich nach Hause, parkte, stieg hoch in seine Wohnung
und betrat die Wohnung.“
Da jagt doch eine Überraschung die nächste. An manchen „nagt
die Todesangst“...vor dem nächsten Satz vielleicht? Einem wie diesen:
„Oben hing der Orion, das mächtige Wintergestirn. Er sah die drei
Lichter
des Gürtels, den Dolch der darin steckte. Ein phantastisches Bild, hell
und deutlich erkennbar.“
Aber Kommissär Hunkeler sitzt „bis zum Hals im Elend“, weil
der Fall so schwierig zu sein scheint und das Elend hört einfach nicht
auf, denn Schneider behauptet allen Ernstes:
„Er betrachtete die Leiche des Alfred Woodtli....die schmalen Schlüsselbeine,
die aus der weißen Haut drückten. Das lange, strähnige Haar,
das noch mehrere Stunden weiterwachsen würde.“
Da hört der Spaß auf, denn: „Mit dem Tod (Mit dem Stillstand
des Herzens) hört auch das Wachstum der Haare auf....Mit dem Stillstand
des Herzens endet der Blutkreislauf, die über das Blut mit Nährstoff
versorgten Haarwurzeln erhalten keine Nahrung mehr, sie stellen die Zellteilung
ein; damit ist das Haarwachstum beendet.“
Nachzulesen in einem X-beliebigen Lexikon der letzten Jahrzehnte.
Für einen versierten Krimischreiber und auch - Leser ist es nur zu logisch,
dass bei solchen Ausrutschern (Und die sind Legion) die Story auf der Strecke
bleibt.
Dafür sind die handelnden Figuren allesamt Karikaturen, was einer Persiflage
gut gestanden hätte, aber die liegt Schneider fern. Und gerade die Frauen
seines „Krimis“ bedienen sich einer Sprache, die man allenfalls
in der Schwyzer Bronzezeit gehört haben mag:
„Sie gräßlicher Mensch, Sie“ zeterte sie, „Sie
unliebes Ungeheuer. Ich werde dafür sorgen, daß Sie hinter Schloß
und Riegel kommen, daß Sie eingesperrt werden im Käfig....“
Schneider wird sicher auch für diese Geschichte wieder einen Preis bekommen,
denn es gibt ja noch immer Menschen
die glauben, dass die Erde eine Scheibe ist und dass der Dolch aus dem Gürtel
des Orion direkt auf Basel einsticht.
Hansjörg Schneider,
Das Paar im Kahn
Bastei Lübbe Verlag, ISBN 3-404-14583-4
240 Seiten
W.G.Fienhold 2001
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Kritiker haben Larsen mit Crichton verglichen. Das sollte ehrenvoll für
Larsen sein, aber in Wirklichkeit ist es umgekehrt, denn Larsen ist besser.
Sein Roman „Im Zeichen der Schlange“ passt in viele Schubladen
und Bücherregale, denn es gelingt ihm locker die Brücke vom Roman
über den Thriller zum fast Sachbuch zu schlagen.
Das Buch beginnt mit einer konventionellen Story: Schlangenbiss, attraktive
Frauen, einige suspekte Gestalten und ein düsteres Geheimnis. Aber weniger
die Temposteigerung ist faszinierend, erstaunlich ist mit welcher Lockerheit
der Autor populärwissenschaftliche und neuste wissenschaftliche Erkenntnisse
in die Handlung einfließen läßt.
Diese scheinbaren, dramaturgisch genial gesetzten Längen machen den Krimi
zu einem echten Leseerlebnis.
Das beste Buch des Genres im Jahr 2002.
W.G.Fienhold
Michael Larsen: Im Zeichen
der Schlange, blt, 8,90 Euro, ISBN 3-404-92108-9, 446 Seiten
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In den Western - Heftchen
(Auch Heftchenwestern) deutscher Autoren ist die Welt noch in Ordnung.
Wenn man, sagen wir mal 20 Stück, liest, kommt in der Hälfte „ein
baumlanger Neger mit Armen wie Äste“ vor. Wäre es politisch
korrekt zu schreiben:
„Ein strauchkurzer Afroamerikaner mit Ärmchen wie Zweiglein“
?
Sehr beliebt ist auch den Helden mit den Worten: Der Mann zu versehen. Da
heißt es dann: John Kincade, der Mann oder der Mann John Kincade. Wenn
man diese Floskel 150 mal auf 64 unterbringt gewinnt man(n) ohne Zweifel Zeilen.
Oder wird es so oft betont, weil man bei den amerikanischen Vornamen nie genau
weiß woran man ist? Selbst John Wayne`s zweiter Vorname war Marion.
Bei Kim,
Jo oder Alex ist es ebenfalls unklar, ob hier eine oder einer den Namen nur
verkürzt haben oder sie tatsächlich so ins Geburtsregister aufgenommen
wurden.
Ganz zu schweigen von Lourdes, Missouri, Mississippi oder Denver.
Wir verstehen also spätestens jetzt die Notwenigkeit der Verdeutlichung.
Anders sieht es in der Damenwelt aus, da gibt es die Damen die keine Damen
sind weil sie in Saloons arbeiten und die „blutjungen oder rassigen
Schönheiten“ und bei den „rassigen Schönheiten“
handelt es manchmal sogar um Indianerinnen. Na, es ist ja auch nicht von „rassischer
Schönheit“ die Rede.
Dass die männlichen Helden allesamt schmalhüftig, breitschulterig
und hager sind, bedarf ebensowenig der Erklärung wie die „scharfgeschittenen“
Gesichter.
Die Bösen sind ebenfalls hager haben aber harte Gesichter. Sie sind „hartgesichtig“,
wie es die Autoren zu nennen pflegen. Die oder der Partner beißen fast
immer ins Gras, denn sie wollen entweder dasselbe Mädchen wie der Protagonist
oder sie opfern sich bei einem der vielen Schusswechsel für den Chef.
Außerdem sind sie ohnehin oft nur „halbgut“.
Nicht selten hat man den Eindruck den Roman schon einmal gelesen zu haben.
Das täuscht, denn die cleveren Autoren haben am Computer neue Eigen-
und Städtenamen eingebaut. Soviel Zeit muss selbst im hartfingrigen Heftchen
- Geschäft schon noch sein. Es könnte auch anders gehen, wäre
jedoch von rassischer Unschönheit Sachen zu schreiben wie: „Ein
baumstämmiger Bimbo mit untermenschlichen Armkeulen trat Marion, dem
Mann entgegen. Er hatte vor dem Salon des Barbiers gelauert in dem der Mann
Marion sich sein Doppelkinn massieren ließ während (Die guten deutschen
Autoren lieben „indes“ statt während zu tippen) ein blütengelbes
Handtuch seine schmalen Schultern bedeckte um die Fetttropfen aufzufangen.
Dies lenkte ein wenig von seinem Bierbauch ab, doch der Bimbo, der eigentlich
ein Halbblut und deshalb besoffen war, hatte ihn dennoch erkannt.“ Wer
wollte so etwas schon lesen ? Ich zum Beispiel, aber ob Bastei -Lübbe
oder ein anderer Western - Verleger so ein Skript kaufen würden?
W.G.Fienhold
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Titel
: Sherlock Holmes
Das Mandala des Dalai Lama
1891 - der wirkliche Sherlock Holmes unter Pseudonym in Tibet aufregende Abenteuer
inklusive. Intelligente kluge Sprache - man ahnt was an spiritueller Kraft
und Tiefe in
unserer Kultur verloren ging. Der Autor Jamyang Norbu, Tibetaner und Lehrer
in
Dharamsala (dem Exil des Dalai Lama und einem Teil seines Volkes) versteht
es,
die Mystik der tibetanischen Religion/Philosophie auch dem Laien verständlich
zu machen.
Ein tolles Buch!
Autor : Jamyang Norbu
Verlag: Bastei Lübbe April 2004
ISBN: 3-404-15128-3
Antje Klusmeier
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Romanfabrik
Frankfurt 18.01.2005
"Die klassische Sau"
Michael Quast und Regine Vergeen
Die zweite Veranstaltung
im neuen Jahr mit den schärfsten Stellen aus der Weltliteratur von
der Antike bis zur Gegenwart:
Temperament- und lustvoll
präsentiert wurde eine Auswahl von Texten aus
Goethes "Walpurgissack", Flauberts "November" (hier demolierte
Michal Quast
vor lauter Begeistung fast seinen Leseplatz), über Bürgers "Leonore",
Heinrich Heines
"Theleologie", oder Friedrich Schlegels "Du meine Hand bist
mehr als alle meine Weiber.... usw. und zurück zum 4. Jahrh.vor Chr.
zu Priapus mit Phalluskult und der reizenden Geschichte des erzählenden
Esels, der von der lüsternen Dame geleast und fix
und fertig gevögelt wurde oder Pietro Aretino, dem ital. Renaissance
Dichter der Burlesken und Schmähschriften mit deftigen Metaphern über
männliche Organ Größen.
(aus dem Publikum war ein leises "da kriegt man ja Komplexe" zu
hören).!
Die Gegenwartsliteratur wurde mit dem "Decamerone für Frauen"
von Anna Zaschke
ebenfalls mit einer lustigen Geschichte bedacht über den deutschen überforderter
Mann und
den allzeit bereiten arabische Herrn, der eine interessante geometrische Formation
entstehen läßt (daß die Araber alte Mathematiker sind - wir
wissen es ja.......) usw.usw.
Die deftigen, heftigen, humorvollen Texte sorgten für einen höchst
amüsanten
Abend in der Romanfabrik. Insbesondere Michael Quast hat durch die
professionelle temperamentvolle Präsentation hieran einen großen
Anteil.
Das Publikum war begeistert
und wer in den gleichen Genuß kommen möchte
dem sei die beim Eichborn Verlag erschienene Doppel-CD zu obigem Thema zu
empfehlen.
ISBN 3821852453
20.01.2005
Antje Klusmeier
Mma Ramotswe, die humorvolle gestandene Botswanerin betreibt ihr Detektivbüro
nach einem Ratgeber in Buchform, aber eigentlich mit ungewöhnlichen philosophischen
Gedankengängen über die menschlichen Beweggründe,
vor dem Hintergrund der familiären Beziehungsgeflechte und der afrikanischen
Traditionen . Das führt zu aussergewöhnlichen und unerwarteten Resultaten.
Ihre Ergänzung ist Mma Makutsi, die alleinstehende pragmatische Organisatorin,
die den Laden am Laufen hält, wenn Mma Ramotswe mal wieder ins Denken
versunken oder auf Fahrt ist.
Ein entzückendes Buch und für Afrika Fans immer wieder déja-vu`s,
die schmunzeln lassen. Wie praktisch überall in Afrika sind auch in Botswana
die Frauen die Patenteren, die Männer ohne sie nahezu verloren. Diese
Kraft und die Mitmenschlichkeit der Frauen kommt mit grosser Gelassenheit
und humorvoller Selbstverständlichkeit daher, ohne ideologische Abwertungen
wie das in unseren Breiten so oft der Fall ist.
Das Buch macht einfach Spaß
Bitte lesen und sich freuen
!
AK 28.01.2005
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Titel
: Mordmethoden
Autor : Mark Benecke
Verlag: Bastei Lübbe Dez. 04
ISBN: 3-404-60545-4
Mordmethoden oder besser
: Was gibt's Neues in Sachen Mord und Aufklärung?
als da wären Maden, Insekten, Pollen und/oder Pilzsporen in Nasenhöhlen,
Gasmeßgeräte (wer stinkt wann wie ?), Gesichtsnachbildungen u.v.a.m.
Unglaublich spannend, engagiert und gut verständlich schreibt Mark Benecke
über
naturwissenschaftliche Methoden, die von Forensikern, Biologen, Entomologen,
Kriminalisten u.a. angewandt werden. Auch Kommissar Zufall ist für die
Aufklärung eines Mordfalles oft ausschlaggebend. Leider schläft
der Polizeiapparat manchmal aber auch jahrelang vor sich hin wie im Fall Homolka/Bernardo
in Kanada. Warum nun sind Sachverständigengutachten bei Gerichtsverhandlungen
für die interessierte Öffentlichkeit oft so unbefriedigend ? Diese
müssen wissenschaftlich einwandfrei belegte Tatsachen enthalten und der
Gutachter hat strikt neutral zu bleiben.
Die Emotionen, Wünsche, Erwartungen u. Meinungen der Menschen werden
nicht berücksichtigt und können es auch nicht. Kann dann dieses
Buch die uralte Frage beantworten : "warum wird ein Mensch zum Mörder,
Kinderschänder, Menschenfresser und ein anderer ähnlich sozialisierter
nicht?"
Eine Vielzahl von alten und neuen Fällen wie z.B. der Mord an Lindbergh
jun, der Fall Pastor Geyer, Karla Homolka u.Paul Bernardo, "Vater"
Denke und viele andere schildert der Autor und Sie können über die
Frage nachdenken.
Das Buch ist zu empfehlen.
AK 28.01.2005
Die Bücherschwemme,
die in Gedenkjahren auf den Markt gespült wird, ist schon immens, aber
über Albert Einstein kann man eigentlich nicht genug lesen. Eines der
besseren Bücher ist von Dietmar Stauch und heißt natürlich
"Alles ist relativ . Die Lebensgeschichte des Albert Einstein".
Es zeigt hauptsächlich den privaten Werdegang des Jahrhundertgenies,
sogar den oft albernen Albert, ohne ganz auf wissenschaftliche Anmerkungen
zu verzichten. Ein empfehlenswertes Buch für jedes Lesealter.
WGF
Albert Einstein. Alles
ist relativ.
Von Dietmar Strauch ist erschienen bei
Beltz und Gelberg. 286 Seiten
ISBN 3-407-80944-1
Nicht, dass alle Rachetipps
unbrauchbar wären, aber die antiquierte Sprache in der sie John Punisher
(Jahrgang 1970 sic!) zum Besten gibt,
ödet an und langweilt schnell. Dämlich auch: Im Begleitschreiben
sowie im Vorwort wird der richtige Name des Autors (Christian Riesen; Gastronom
und Event-Manager) genannt, der das Teil bereits im Selbstverlag herausgegeben
hatte. Verständlich ist, für so ein schlecht geschriebenes Werk
ein albernes Pseudonym zu benutzen, unverständlich bleibt, es gleich
auch kundzutun. Im Eichborn - Verlag sind vor vielen Jahren zwei weitaus bessere
Bücher (Lexikon der Rache und Das neue Lexikon der Rache) zum Thema erschienen.
Der Riesen - Punisher sollte jedenfalls lieber Bier zapfen statt zu schreiben.
W.v.H.
Das Schwarzbuch der Rache
Von John Punisher
Eichborn - Verlag
208 Seiten
ISBN 3-8218-4901-0
19.90€
C
...wirst du, Liebe,
ein langer Abschied sein, der nie zu Ende geht?
Leben von Anfang an, ist Trennung...
Dieses Zitat aus Lyrik
von Pedro Salinas kann Motto des Romans sein.
Ein langer Abschied fürwahr. Mercedes Avendano lebt die Erinnerung ihrer
grossen Liebe. Diese leidenschaftliche tabulose Liebe begleitet
von Fantasien an Kastration und Tod (s.Titelbild "Judith und Holofernes")
endet tatsächlich mit dem Tod des jungen Ehemannes
José Maria Avendano kurz nach der Hochzeit. Er wird mehr zufällig
von aufgebrachten Landarbeitern getötet. Zur Strafe müssen die Landarbeiter
Jahr für Jahr den Überfall und Mord auf dem Gut der
Avendanos nachspielen.
Hintergrund ist die Auseinandersetzung zwischen Republik und Faschismus in
Spanien zwischen 1934 und 1956. Souverän bereitet
Der Autor Jorge Semprún ein Tableau der spanischen Geschichte des
letzten Jahrhunderts vor uns aus. Die Eigenart des Autors zwischen den
Zeiten hin- und herzuspringen erklärt sich vielleicht aus seinem langen
Leben und aus den Bezügen zu Philosophie, Literatur, Malerei, die die
Protagonisten in ihren politischen Diskussionen berühren.
Humorvoll werden Absurditäten beschrieben, wie z.B. die Einführung
Der jungen Frau in die körperliche Liebe durch die katholische Kirche
nach den Schriften des "heiligen" Augustinus "de bono coniugali
und de coniugiis adulterinis". Überrascht lernt man mit Segen der
"alleinseligmachenden" lustvoll zu sündigen.
AK
Zwanzig Jahre und ein
Tag
Von Jorge Semprún
.erschienen im Suhrkamp Verlag
Frankfurt am Main.
292 Seiten
Euro 29.80
ISBN3-518-41680-4